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Ärzte Zeitung, 10.08.2016

Migräne

Kopfschmerzen oft nur das halbe Leid

Auch wenn die akuten Kopfschmerzen abgeklungen sind, haben viele Migräne-Patienten noch Beschwerden - durch Begleitsymptome. Selbst Betroffenen ist das oftmals nicht bewusst.

Von Dagmar Kraus

Kopfschmerz-AH.jpg

Die Kopfschmerzen sind zwar besser, dafür wird mit einer Migräneattacke häufig der Nacken steif.

© pathdoc / fotolia.com

BATH. Nicht wenige Migränepatienten leiden nach Abklingen der akuten Kopfschmerzen noch über eine längere Zeit unter Begleitsymptomen, wie eine Auswertung elektronischer Kopfschmerztagebücher von 120 Migränepatienten ergeben hat. Dabei litten die Betroffenen vor allem unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Nackensteife.

An der Erhebung teilnehmen durften nur Patienten, die angaben, während mindestens zwei von drei Migräneattacken unter Begleitsymptomen zu leiden.

Die Studienautoren, Neurologen aus Großbritannien, hatten den Probanden ein elektronisches Tagebuch ausgehändigt und sie angehalten, über einen Zeitraum von drei Monaten täglich darin eventuelle Begleitsymptome für jede Migränephase nachzuhalten und zu beschreiben.

Von den 120 Probanden hatten 97 mindestens einen Migräneanfall dokumentiert, bei dem nach Abklingen des akuten Kopfschmerzes Begleitsymptome aufgetreten waren. Insgesamt konnten die Aufzeichnungen von 873 Migräneanfällen ausgewertet werden, wovon 773 Migräneattacken mit Begleitsymptomen in der Erholungsphase verbunden waren (Neurology 2016; 87(3):309-313).

Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten häufig

Am häufigsten berichteten die Teilnehmer, sich nach Abklingen der Kopfschmerzen müde und erschöpft zu fühlen (88 Prozent), gefolgt von Konzentrationsschwierigkeiten (56 Prozent) und Nackensteife (42 Prozent).

Typische Prodromalsymptome wie Übelkeit (15 Prozent) sowie Licht- (36 Prozent) und Lärmempfindlichkeit (32 Prozent) traten in der Erholungsphase hingegen seltener auf.

Länger als sechs Stunden hielten die Beschwerden in weniger als der Hälfte der Fälle an. In 7 Prozent waren sie jedoch selbst nach 24 Stunden noch nicht völlig verschwunden. Interessanterweise spielte für die Dauer der Postdromalphase weder die Intensität der Kopfschmerzen noch die Art der Medikation eine Rolle.

Bei 80% der Patienten treten Begleitsymptome in Rückbildungsphase auf

Begleitsymptome in der Erholungsphase einer Migräneattacke sind , wie die Ergebnisse zeigen, offenbar kein seltenes Phänomen.

Bei 80 Prozent der Patienten, die allgemein Begleitsymptome angeben, treten sie unter anderem in der Rückbildungsphase auf, wie die britischen Neurologen betonen. Somit werde die Prävalenz postdromaler Beschwerden weit unterschätzt.

Von einer exakteren Charakterisierung der Begleitsymptome erhoffen sich die Neurologen, neue Einblicke in die pathophysiologischen Prozesse der Migräne zu gewinnen und somit neue Therapieansätze zu generieren.

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