Ärzte Zeitung, 31.01.2005

Neurochirurgen besorgt über viele Infektionen

Minimal-invasive Therapien an der Wirbelsäule angeblich zu riskant / Kliniker kritisieren ambulante Op-Methoden

HAMBURG (dpa). Führende Neurochirurgen deutscher Universitätskliniken sind nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" besorgt über die zunehmende Zahl gefährlicher Infektionen bei Patienten, bei denen wegen Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden ambulant minimal-invasive Eingriffe vorgenommen werden.

Solchen Patienten werde immer wieder Linderung durch sogenannte CT-gesteuerte Injektionen oder minimal-invasive Katheter-Eingriffe versprochen, die direkt bis an die eingeklemmte Nervenwurzel geführt werden, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner aktuellen Ausgabe.

Nach Angaben des Magazins sind bereits mehrere Patienten in Deutschland an Infektionen als Folge solcher Eingriffe gestorben. Bei weit mehr als 60 Patienten hätten die Behandlungen zu bleibenden Querschnittlähmungen, lebensbedrohlichen Hirnhautentzündungen oder zu Blutungen im Spinalkanal geführt, habe eine interne Umfrage unter Ärzten von neurochirurgischen Abteilungen des Landes ergeben. Bei einem Patienten zum Beispiel hätten die Neurochirurgen intraoperativ die abgerissene Spitze eines Katheters im Rückenmarkskanal gefunden.

Die minimal-invasiven Therapien werden meist ambulant angewendet und müssen in der Regel privat bezahlt werden. Ihren klinischen Nutzen und ihre Sicherheit zweifeln die Neurochirurgen der Universitätskliniken an.

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