Ärzte Zeitung, 03.11.2005

Rückenschmerz - Analgesie auch antineuropathisch

Antikonvulsiva mit Vorteilen

BERLIN (gvg). Bei vielen Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben die Beschwerden außer einer nozizeptiven auch eine neuropathische Komponente. Dies muß bei der Therapie berücksichtigt werden, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Neuropathische Schmerzen liegen nach Erfahrung von Dr. Rainer Freynhagen von der Klinik für Anästhesiologie der Uni Düsseldorf bei etwa drei von zehn Patienten mit chronischem Rückenschmerz vor. Gerade bei einem radikulären Syndrom seien nozizeptive Schmerzen, die durch die Einwirkung von Schmerz- oder Entzündungsbotenstoffen auf die Schmerzrezeptoren entstehen, oft nur ein Teil des Problems.

Typische klinische Hinweise auf eine neuropathische Schmerzkomponente können Sensibilitätsstörungen und ein Gefühl des Brennens im Schmerzgebiet sein. Auch Spontanschmerzen, Allodynien und übermäßige Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesien) sind häufig. Zudem können Schlafstörungen auftreten, weil der Schmerz oft nachts am stärksten ist.

"Eine Therapie allein mit nichtsteroidalen Antirheumatika und Muskelrelaxanzien ist bei einer neuropathischen Schmerzkomponente zu wenig", so Freynhagen auf einer von Pfizer unterstützten Veranstaltung beim Berliner Orthopädenkongreß.

Indiziert sei vielmehr eine zusätzliche, antineuropathische Therapie, wie sie mit trizyklischen Antidepressiva, lang wirksamen Opioiden oder Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin (vom Unternehmen als Lyrica® angeboten) erreicht werde.

Dabei sei Pregabalin besonders vorteilhaft, um außer der Schmerzlinderung auch eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen, so Freynhagen. Denn die Substanz bessere unter anderem die Schlafqualität. Für Antidepressiva und Opioide sei dieser Effekt nicht belegt.

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