Ärzte Zeitung, 24.10.2005

Nervenschmerz läßt sich abschätzen

Fragebogen für Patienten mit Rückenschmerzen / Score ergibt neuropathischen Anteil

BERLIN (gvg). Nervenschmerz kann bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz wesentlich zu den Beschwerden beitragen. Ein neuer Kurzfragebogen soll Hausärzten jetzt dabei helfen, die neuropathische Komponente besser abzuschätzen.

Gerade bei radikulären Rückenschmerzen ist eine neuropathische Komponente häufig. In orthopädischen Praxen hätten ein Drittel der Rückenschmerzpatienten radikuläre Schmerzen, die zum Beispiel durch einen Bandscheibenprolaps entstehen, hat Dr. Rainer Freynhagen von der Klinik für Anästhesiologie der Universität Düsseldorf berichtet.

Der neue Fragebogen (painDetect™) sei als Screening-Werkzeug gedacht, das vor allem Ärzten in der Primärversorgung dabei helfen könne, den Schmerzcharakter zu bewerten, so Freynhagen beim Kongreß der Orthopäden und Unfallchirurgen in Berlin. 70 Prozent aller Patienten mit chronischem Rückenschmerz gingen primär zu ihrem Hausarzt.

Für die Erstellung des Kurzfragebogens wurden die Daten von über 13 000 Patienten ausgewertet. Validiert wurde der Bogen in zehn universitären Zentren in Deutschland bei 400 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Die Patienten werden zunächst gebeten, die Schmerzintensität anzugeben. Anhand von Bildern wählen sie dann ihr Schmerzmuster aus und beantworten dann sieben Fragen zum Schmerzcharakter. Am Ende wird ein Score errechnet.

Bei Werten über 18 besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß eine neuropathische Komponente vorliegt, wie Freynhagen auf der vom Unternehmen Pfizer unterstützten Veranstaltung gesagt hat. Die Sensitivität des Testes beträgt 85 Prozent, die Spezifität beträgt 80 Prozent.

Der Fragebogen soll bald auf Schmerzkongressen und Orthopädie-Tagungen vorgestellt werden.

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