Ärzte Zeitung, 28.03.2006

Entzündung? Neuropathie? Davon hängt die Schmerztherapie ab

Empfohlen wird, nach nozizeptiven und neuropathischen Komponenten zu suchen / Antikonvulsiva sind Option bei neuropathischem Schmerz

FRANKFURT AM MAIN (ner). Mindestens ein Drittel der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben eine neuropathische Schmerzkomponente. Diese Komponente sollte im Vordergrund bei der Therapie-Strategie stehen, weniger die Grunderkrankung.

Schmerzen im Stütz- und Bewegungsapparat seien nicht nur darauf zurückzuführen, daß Nozizeptoren in der Peripherie stimuliert werden, sagte Dr. Rainer Freynhagen aus Düsseldorf beim Schmerzkongreß in Frankfurt am Main.

In mehreren Studien hätten 30 bis 40 Prozent der Patienten neuropathische Schmerzkomponenten gehabt, so der Anästhesist bei der vom Unternehmen Pfizer unterstützten Veranstaltung. Zeichen dafür seien Schmerzen, die bis ins Knie ausstrahlen, radikuläre Schmerzen, ein positives Laséque-Zeichen sowie ein fehlender Patellarsehnenreflex.

Eine Möglichkeit, nozizeptive und neuropathische Schmerzkomponenten rasch zu unterscheiden, sind Patienten-Fragebögen wie der painDetect™-Fragebogen (wir berichteten).

Da Patienten mit unterschiedlichen Grunderkrankungen identische Schmerzformen haben, etwa brennende Dauerschmerzen oder Schmerzen bei leichter Berührung der Haut, sei es sinnvoll, sich bei der Behandlung auf die einzelnen Schmerzformen zu konzentrieren und nicht auf die Grunderkrankung. Darauf wies Professor Thomas Tölle aus München hin. Man wolle jeden Schmerzmechanismus mit einem geeigneten Medikament angehen.

Der Neurologe rät, die Schmerzkomponenten (nozizeptiv, neuropathisch) zu identifizieren, sowie Schmerzstärke, Leidensdruck durch Schlafstörungen, Depressionen, Angst, Komorbiditäten und Lebensqualität festzustellen. Häufig stehen die nozizeptiven Schmerzen im Vordergrund, so daß peripher wirksame Analgetika angezeigt sind.

Bei neuropathischer Komponente sowie Schlafstörungen und Ängsten kommen Antikonvulsiva wie Pregabalin® in Frage, sind Depressionen vorhanden, ein Antidepressivum.

Bei starken Schmerzen und hohem Leidensdruck sollte von Anfang an eine kombinierte Schmerztherapie mit Analgetika und Koanalgetika erfolgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »