Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Lumboischialgie kann auch neuropathisch sein

Besondere Therapie bei radikulärer Ausstrahlung

FRANKFURT AM MAIN (mar). Es kann nicht oft genug gesagt werden: Bei Patienten mit akuten Kreuzschmerzen ist eine frühzeitige Therapie und Mobilisation wichtig, um eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern. Dabei brauchen Patienten mit Lumboischialgie mit radikulärer Ausstrahlung eine spezifischere Therapie als Patienten mit einer Lumbago ohne radikuläre Ausstrahlung.

Eine akute Lumbago bildet sich bei 80 bis 90 Prozent der Patienten in wenigen Wochen zurück. Bei diesen Patienten lasse sich durch eine kurzzeitige Therapie mit NSAR oder Coxiben eine gute Linderung dieser nozizeptiven Schmerzen erreichen, ergänzt durch Physiotherapie und die Aufklärung über Fehlbelastung (Rückenschule). Ziel sei, die Patienten so schnell wie möglich in Bewegung zu bringen, so Dr. Rainer Freynhagen vom Uniklinikum Düsseldorf beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt.

Hohes Chronifizierungsrisiko bei radikulärer Ausstrahlung

Dies gilt natürlich auch bei Lumboischialgie mit radikulärer Ausstrahlung. Bei diesen Patienten bestehe ein hohes Risiko für eine Chronifizierung. Deshalb sei von Anfang an eine multimodale, interdisziplinäre Behandlung (Orthopäde, Neurologe, Schmerztherapeut, Physiotherapeut, eventuell Psychologe) erforderlich, hat der Anästhesiologe bei einem Symposium von Pfizer betont.

Diese Patienten brauchten eine spezifischere Pharmakotherapie, da die Schmerzen außer nozizeptiven auch neuropathische Komponenten aufweisen. Neuropathische Schmerzen lassen sich mit NSAR nicht lindern. Hier haben sich bestimmte Antidepressiva, Antikonvulsiva und Opioide bewährt. Unter den Antidepressiva hätten die Trizyklika, Mirtazapin, Venlafaxin und Duloxetin analgetische Effekte, so Freynhagen. Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) sind bei neuropathischen Schmerzen nicht wirksam.

Schmerzen werden innerhalb einer Woche gelindert

Ebenfalls analgetische Effekte haben Antikonvulsiva wie Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin. Vorteil von Pregabalin (Lyrica®) sei, daß die Wirkung im Vergleich zu anderen Präparaten zu spüren sei: Bei vielen Patienten verringerten sich die Schmerzen und verbesserten sich Stimmung und Schlaf schon innerhalb der ersten Woche, berichtete Freynhagen.

Die Initialdosis von 150 mg / Tag sollte langsam erhöht werden; eine gute Schmerzlinderung werde meist bei Dosen von täglich 300 bis 450 mg erreicht. Bei vielen Patienten habe eine weitere Dosiserhöhung nach vier oder sechs Wochen noch deutliche Effekte. In jedem Fall sei immer eine individuelle Dosissteigerung erforderlich.

Schließlich seien Retardopioide eine Option, wenn sich mit Antidepressiva oder Antikonvulsiva keine ausreichende Besserung erzielen lasse.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »