Ärzte Zeitung, 25.04.2007

Jeder dritte Rückenschmerz-Patient ist auch psychisch krank

102 Männer und Frauen befragt / Bei Schmerzkranken gibt es oft Hinweise auf psychische Störungen, Herz-Kreislauf- und Augenkrankheiten

HEIDELBERG (eb). Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben häufig weitere Erkrankungen. Je länger ihr Leiden besteht, desto mehr zusätzliche Beschwerden kommen hinzu: vor allem psychische Störungen, Herz-Kreislauf- sowie Augenerkrankungen - jeweils bei mindestens 30 Prozent der Rückenschmerz-Patienten.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, die demnächst in der Zeitschrift "Schmerz" veröffentlicht werden soll. "Ärzte, die diese Patienten behandeln, sollten sich bewusst sein, dass chronische Rückenschmerzen nur selten ein isoliertes gesundheitliches Problem sind", sagt Professor Marcus Schiltenwolf, Leiter der Sektion Schmerztherapie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Er hat die Studie gemeinsam mit drei weiteren Kollegen vorgenommen.

Rückenschmerzen sind weit verbreitet: Etwa 30 Millionen Bundesbürger klagen einmal im Jahr darüber. Vom akuten zum chronischen Leiden ist der Weg oft nicht weit. Der volkswirtschaftliche Schaden - etwa durch Rückenschmerz-bedingte Arbeitsausfälle - liegt schätzungsweise bei 20 Milliarden Euro pro Jahr.

In der Heidelberger Studie wurden 102 Männer und Frauen befragt. Sie erhielten dazu standardisierte Fragebögen. 51 litten an chronischen Rückenschmerzen, bei den anderen Testpersonen handelte es sich um eine vergleichbare rückengesunde Gruppe. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 51 Jahre alt. Ergebnis: Die Rückenschmerz-Patienten hatten ihr Leiden seit durchschnittlich fast sieben Jahren. In ihrer Gruppe traten zusätzliche Erkrankungen viel häufiger auf als in der Vergleichsgruppe. So litten 30 Rückenschmerz-Patienten an psychischen Störungen und Verhaltensstörungen, aber nur sechs Personen in der Vergleichsgruppe.

"Warum diese zusätzlichen Erkrankungen auftreten, ist unklar", sagt Schiltenwolf. Bei depressiven Verstimmungen könnte es sich um eine Folge des chronischen Leidens handeln. Außerdem: Die eingeschränkte Mobilität der Rückenschmerz-Patienten kann auch andere Organe direkt beeinträchtigen. Und gemeinsame Risikofaktoren wie Übergewicht können mehrere Beschwerdearten zugleich auslösen.

Ein weiterer Erklärungsansatz sei die hohe Bereitschaft der Rückenschmerz-Patienten zur Somatisierung, also zur körperlichen Zuordnung und Erklärung der Beschwerden, so Schiltenwolf. Diese Bereitschaft werde dadurch weiter verstärkt, dass die Patienten häufig Ärzte aufsuchen.

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