Ärzte Zeitung online, 09.03.2010

Rückenleiden oft in Bergbau und Landwirtschaft

HAMBURG (dpa). Das Kreuz schmerzt, die Wirbelsäule ist verkrümmt: Besonders verbreitet sind schwere Rückenprobleme in Regionen, die vom Bergbau geprägt wurden und in denen der Anteil älterer Menschen hoch ist. Das zeigt eine Auswertung von dpa-RegioData, die auf den Klinikdaten des Statistischen Bundesamtes basiert.

Demnach mussten sich im Jahr 2008 deutschlandweit 61 von 10 000 Menschen mit Rückenbeschwerden im Krankenhaus behandeln lassen. Insgesamt waren es fast 500 000.

"Wer im Job viel heben, tragen und sich oft bücken muss, hat ein sehr viel höheres Risiko als Menschen, die am Schreibtisch arbeiten", sagt Wiebke Arps, Gesundheitsexpertin bei der Techniker Krankenkasse. "Tätigkeiten im Freien erhöhen dieses Risiko noch einmal zusätzlich. Dort kann es schnell zu einem Hexenschuss kommen, wenn man bei der Arbeit schwitzt und das Wetter wechselhaft ist."

Das zeigt sich auch in der Auswertung der Krankenhausdiagnosen. Besonders oft kommen schwere Rückenleiden daher auch in Regionen vor, die wie Niederbayern von der Landwirtschaft geprägt sind oder in denen wie im Landkreis Hof die Bauwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Deutlich seltener treffen sie dagegen die Bewohner größerer Städte wie Heidelberg, Karlsruhe und Offenbach am Main.

Am häufigsten haben Einwohner des thüringischen Landkreises Nordhausen schwere Rückenbeschwerden. Mehr als 1400 von ihnen wurden 2008 damit in einer Klinik behandelt. Mit 158 Patienten je 10 000 Einwohner hat Nordhausen die höchste Quote aller 413 Kreise und kreisfreien Städte. Nur wenig niedriger ist sie in der Stadt Herne in Nordrhein-Westfalen (154) und im niedersächsischen Landkreis Osterode am Harz (153), der direkt an Nordhausen grenzt. Gemeinsam haben diese Regionen eine lange Tradition im Bergbau und viele große Industriestandorte.

Zwar wurden in Herne die letzten Zechen schon in den 70er Jahren stillgelegt, doch gesundheitlich wirkt die Arbeit im Bergbau bis heute nach. Das beobachtet auch Ulrich Eickhoff, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus Herne: "Bei uns in der Klinik behandeln wir viele Menschen, die lange unter Tage gearbeitet haben - oftmals gebückt, weil viele Flöze nicht einmal 1,50 Meter hoch sind."

Daneben versorge das Krankenhaus viele ältere Menschen, die unter einer Osteoporose leiden und deren Rücken dadurch immer krummer wird. Mehr als jeder zweite Rückenpatient in Herne leidet an einer verkrümmten oder schiefen Wirbelsäule. Bundesweit sind dagegen Bandscheibenvorfälle die häufigste Ursache für schwere Rückenbeschwerden.

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