Ärzte Zeitung, 16.03.2010

Physiotherapie allein nützt wenig bei Rückenschmerz

Beste Erfolge mit multimodalem Therapiekonzept

WIESBADEN (mut). Patienten mit chronischem Rückenschmerz verlangen häufig nach Physiotherapien gegen ihre Beschwerden. Allein mit Massagen und Gymnastik lässt sich der Schmerz langfristig jedoch nicht lindern.

Wird eine Physiotherapie nur als Monotherapie praktiziert und nicht in ein multimodales Therapiekonzept eingebunden, ist sie nur kurzfristig wirksam - auch eine intensive Physiotherapie hat nach einigen Wochen keinen zusätzlichen Nutzen.

Darauf hat Professor Frank Birklein vom Uniklinikum Mainz hingewiesen. Der Schmerzexperte nannte bei der Fortbildungsveranstaltung Neuro Update in Wiesbaden eine holländische Studie, in der 114 Patienten physiotherapeutisch gegen ihre seit mindestens drei Monaten bestehenden Rückenschmerzen behandelt wurden. Ein Teil der Patienten erhielt ein intensives Physiotherapie-Training mit 10 langen Einzelsitzungen und 20 Gruppensitzungen, die Kontrollgruppe bekam 13 kurze Physiotherapiesitzungen gemäß den holländischen Leitlinien für Rückenschmerz. Die Teilnehmer wurden nach 6, 13, 26 und 52 Wochen untersucht.

Das ernüchternde Ergebnis: Sowohl bei den funktionellen Einschränkungen als auch beim Schmerz gab es in beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede. So besserte sich zwar der Wert auf der 24 Punkte umfassenden Roland Morris Disability Skala (RMDS) von zu Beginn 12 Punkten innerhalb von 13 Wochen auf 8 Punkte, blieb dann aber in beiden Gruppen konstant.

Ähnliches galt für den Schmerz: Er verringerte sich innerhalb von 13 Wochen deutlich und veränderte sich dann kaum noch. Auf einer analogen 10-Punkte-Schmerzskala fiel der Wert von zu Beginn 6,2 auf 3,9 Punkte in der Gruppe mit intensiver Therapie und von 5,9 auf 4,6 Punkte in der Kontrollgruppe. Signifikant waren die Unterschiede nur bei den Therapiekosten: Diese waren in der Gruppe mit intensiver Therapie doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe.

Als Teil eines multimodalen Konzepts sei die Physiotherapie jedoch sehr hilfreich, so Birklein. Er nannte eine schwedische Studie, in der Patienten mit Krankschreibungen wegen Nacken- oder Rückenschmerzen entweder nur Manualtherapie plus Gymnastik erhielten, oder ein ganztägiges Reha-Programm mit Physiotherapie, Ergotherapie, psychologischer Betreuung und Rückenschule. In dieser Gruppe gab es innerhalb von sieben Jahren deutlich weniger Krankschreibungen.

Und dies führte dazu, dass trotz des höheren Aufwands die Gesundheitskosten in den sieben Jahren pro Person um knapp 100 000 Euro geringer waren als in der Gruppe mit alleiniger Physiotherapie. Auch diese Studie deute darauf, dass alleinige Physiotherapie bei chronischem Schmerz wenig nütze, so Birklein.

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