Schmerzen

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Ärzte Zeitung online, 05.12.2014

Rückenschmerzen

Wie viel Linderung bringt die viszerale Manipulation?

Bei der viszeralen Manipulation stehen die inneren Organe im Fokus. Australische Forscher haben jetzt erstmals untersucht, ob die osteopathische Methode Patienten mit Rückenschmerzen hilft, wenn Physiotherapie allein nicht reicht.

Von Thomas Müller

Wie viel Linderung bringt die viszerale Manipulation?

Was hilft bei Rückenschmerzen?

© Ugurhan Betin / iStock

SYDNEY. Es gibt unzählige Therapien gegen Rückenschmerz, was ein guter Indikator dafür ist, dass kaum eine davon die Schmerzen überzeugend lindert. Auch in der Physiotherapie tummeln sich einige Verfahren, die eher eminenz- und weniger evidenz-basiert sind.

Einer solchen Methode, der viszeralen Manipulation, haben Wissenschaftler um John Panagopoulos von der Universität in Sydney nun in einer kleinen placebokontrollierten Studie auf den Zahn gefühlt (Eur J Pain 2014; online 7. November).

Bei dem Verfahren stehen die inneren Organe und deren Verbindung zum Bewegungsapparat, die Bänder und Faszien, im Blickpunkt. Der Theorie nach kann eine gestörte Beweglichkeit der inneren Organe Rückenschmerzen auslösen oder verstärken.

Eine sanfte Manipulation der Organe soll die Beweglichkeit wieder erhöhen, Verklebungen lösen und gestautes Gewebe drainieren. Das Verfahren wird der Osteopathie zugeordnet.

Scheinmanipulation in der Kontrollgruppe

In ihrer Studie haben die Forscher um Panagopoulos nun 64 Patienten mit lumbalem Rückenschmerz behandelt. Im Schnitt zeigten die Patienten seit etwa 15 Tagen ausgeprägte Schmerzen, zuvor hatten sie durchschnittlich drei solcher Rückenschmerzepisoden durchlitten.

Alle Patienten bekamen eine Standard-Physiotherapie mit Massagen, funktionellen Muskelübungen und einem speziellen Rückenmuskeltraining. Außerdem erhielten sie die Empfehlung, körperlich aktiv zu werden.

Die Behandlung erfolgte ein- bis zweimal wöchentlich (25-40 min), maximal gab es zwölf Sitzungen innerhalb von sechs Wochen. Anschließend konnten die Patienten die Therapie fortführen, wenn sie weiterhin Schmerzen hatten.

Die Hälfte der Patienten wurde nun zusätzlich viszeral manipuliert, die andere Hälfte bekam eine abdominale Schein-Manipulation. Hier gab es nur leichte Berührungen an Bereichen außerhalb der Regionen für die viszerale Manipulation.

In Experimenten hatten zuvor Testpersonen zwischen aktiver Behandlung und Scheinmanipulation nicht unterscheiden können.

Signifikanter Unterschied erst nach einem Jahr

Primärer Endpunkt der Studie war die Intensität der Rückenschmerzen nach sechs Wochen auf einer numerischen Zehn-Punkte-Skala.

Hierbei gab es zwischen den beiden Gruppen praktisch keinerlei Unterschied: Die Schmerzstärke sank von etwa 5,3 Punkten zu Beginn der Studie auf 2,3 Punkte nach sechs Wochen.

Fragten die Forscher die Patienten ein Jahr nach Therapiebeginn nach den Schmerzen, dann offenbarte sich hingegen eine signifikante Differenz: Mit viszeraler Manipulation war der Wert auf der Schmerzskala weiter auf 1,5 Punkte gesunken, in der Placebogruppe hingegen auf 3,2 Punkte leicht gestiegen.

Insgesamt ergab sich in der Verumgruppe nach einem Jahr ein 1,7 Punkte geringerer Wert auf der Schmerzskala als in der Gruppe mit Scheinmanipulation.

Keinerlei Unterschiede fanden die Forscher beim Grad der Behinderungen und der Funktionsfähigkeit der Patienten - weder nach sechs noch nach 52 Wochen.

Nutzen, wenn Physiotherapie nicht anschlägt

Was lässt sich nun aus dieser wohl ersten placebokontrollierten Studie zur viszeralen Manipulation bei Kreuzschmerzen schließen?

Panagopoulos und Mitarbeiter gehen davon aus, dass zum Beginn der Rückenschmerztherapie getrost auf die osteopathische Methode verzichtet werden kann, wenn die Patienten eine gewöhnliche Physiotherapie bekommen. Interessant könnte die viszerale Manipulation jedoch für diejenigen sein, die nicht gut auf die Physiotherapie ansprechen.

Ein großes Manko der Studie ist jedoch die kleine Patientenzahl. Belastbare Aussagen zum Nutzen oder Nichtnutzen eines Verfahrens lassen sich anhand von 64 Patienten kaum treffen.

[05.12.2014, 15:23:38]
Doris Wroblewski 
F.X.Mayr lässt grüßen
Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr hat vor praktisch 100 Jahren als Kurarzt u.a in Karlsbad seine PatientInnen außerordentlich intensiv beobachtet und diagnostiziert. Sein Hauptaugenmerk galt den Bäuchen und er hat darüber publiziert. Sein Prinzip der Darmsanierung lautete: Schonung – Säuberung – Schulung. Seine Erkenntnisse wurden von seinem Schüler Dr. Erich Rauch aufgegriffen, erweitert und erfolgreich veröffentlicht. Vielen sind die Mayrschen Typisierungen der unterschiedlichen Bauchformen geläufig und das dadurch bedingte „Enteropathie-Syndrom“, die Haltungsveränderung, die zu Rückenschmerzen führt.
Ich erinnere mich noch gut an einen Vortrag vor Jahrzehnten, als ein anderer Schüler von F.X.Mayr, neben Rauch ein weiterer Dozent für die Ausbildung der Mayr-Ärte, Dr. Ernst Kojer, einen etwas übergewichtigen Kollegen aus dem Zuhörerkreis vor das Plenum bat und an ihm den sogenannten "Kojergriff-" demonstrierte. Kojer bat den Mann, dessen Bauchform der bekannten "beginnenden Großtrommelträgerhaltung" entsprach, sich mit dem Gesicht zu den Anwesenden zu stellen und seinen Kopf ein Mal nach rechts und ein Mal nach links zu drehen. Die Zuschauenden sollten beobachten, wie weit der Kopf sich bis/ oder über die Schultern drehen ließ.
Dann griff Kojer von hinten unter den Bauch und hielt ihn nach oben und die Kopfdrehung wurde wiederholt. Es war unschwer zu erkennen, dass die Beweglichkeit des Kopfes bzw. der Halswirbelsäule zugenommen hatte. Ich habe diese einleuchtende Demonstration später gerne in meine Vorträge eingebaut und auf die Bedeutung der Bauch-/Darmgesundheit und den Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit hingewiesen.
Brauchen wir wirklich, wie in dem oben genannten Artikel gefordert/erwünscht, eine größere Anzahl von Patienten für den Beweis, dass eine viszerale Manipulation sich positiv auf Rückenschmerzen (und vieles mehr!) auswirkt, als die Vielzahl derer, denen eine May-Kur geholfen hat? Seit 1967 gibt es die Internationale Gesellschaft der F.X.Mayr-Ärzte, deren ordentliche Mitglieder eben nur Ärzte, keine Heilpraktiker sind.
Da für mich ein Schmerz immer ein Zeichen einer Übersäuerung ist, siehe www.azidosetherapie.com, oder wie ich sage, eines Basenmangels ist, sollte ein Schwerpunkt einer Schmerztherapie immer auf einer bewussten Ernährung, einer regelmäßigen Bewegung, einer gezielten Darmgesundheit und einer harmonischen Lebensweise liegen.
HP Doris Wroblewski
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