Ärzte Zeitung, 02.04.2008

Fentanyl bald durch die Nasenschleimhaut

Intranasale Applikation für lipophile Substanzen ideal

FRANKFURT AM MAIN (hem). Bis zu 80 Prozent aller Tumorpatienten mit retardierter Opioid-Basismedikation haben immer wieder Durchbruchschmerzen. Diese Patienten müssen eine Bedarfsmedikation zur Hand haben, die schnell wirksam ist und deren Wirkung auch nicht zu lange anhält. Eine neue Therapieoption hierfür könnte demnächst intranasales Fentanyl sein.

Eine rasche Schmerzlinderung ist insofern wichtig, als Durchbruchschmerzen eine hohe Schmerzintensität haben und mehrmals täglich auftreten können. In aller Regel erreichen sie bereits nach drei Minuten ihren Höhepunkt und halten meist nicht länger als 30 Minuten an. Sie können spontan auftreten oder durch bestimmte Umstände wie Lageveränderungen oder Husten ausgelöst werden.

Bei bis zu vier Episoden von Durchbruchschmerzen pro Tag sollte ein schnell wirksames, nicht retardiertes Opioid in adäquater Dosisrelation angewendet werden. Als Dosis wird ein Zehntel bis ein Sechstel der Gesamttagesdosis des retardierten Basisopioids empfohlen. Bei mehr als vier Episoden sollte überlegt werden, die analgetische Basismedikation anzupassen.

Wirkung setzt in sieben Minuten ein.

Die einzige Substanz, die derzeit die Anforderungen an eine rasche und kurze sowie patientengesteuerte Bewältigung von Durchbruchschmerzen annähernd erfüllt, sei oral-transmukosales Fentanyl, sagte Dr. Uwe Junker von der Abteilung für Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin am Klinikum Remscheid. So ist der Wirkstoff aus dem Fentanyl-Stick bereits nach drei bis zehn Minuten angeflutet und das Wirkmaximum nach 20 bis 40 Minuten erreicht. Mukositiden, die nach Chemo- oder Radiotherapie häufig vorkommen, begrenzen jedoch die Anwendung des Sticks, so Junker bei der von Nycomed unterstützten Veranstaltung beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2008.

Eine Alternative könnte in naher Zukunft die intranasale Applikation von Fentanyl sein, berichtete Privatdozent Dr. Frank Elsner von der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Denn die Nasenschleimhaut bietet wegen ihrer starken Durchblutung und ihrer Durchlässigkeit für lipophile Substanzen wie Fentanyl nahezu ideale Voraussetzungen für eine schnelle Wirkstoffaufnahme. Zudem sei intranasales Fentanyl auch bei Mundtrockenheit und Mukositis problemlos einzusetzen, so Elsner.

Ersten Daten einer klinischen Zulassungsstudie für intranasales Fentanyl des Unternehmens zufolge tritt die Wirkung im Mittel bereits nach sieben Minuten ein und hält nur bis zu 56 Minuten an. Maximale Effekte werden nach 13 Minuten erreicht.

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