Ärzte Zeitung, 24.08.2004

Röntgenstrahlen lindern Arthrose-Schmerzen

Niedrigdosierte Bestrahlung hilft bei therapieresistenten Beschwerden / Therapie-Erfolge halten langfristig an

FREIBURG (ner). Bestrahlung ist eine weitgehend vergessene Therapieoption bei Arthrose. Ein Freiburger Orthopäde und zwei Strahlentherapeuten brechen eine Lanze für die Bestrahlung bei therapieresistenten Beschwerden. 60 bis 70 Prozent der Arthrose-Patienten sprächen auf die Behandlung an.

"Obwohl die Strahlentherapie nur eine symptomatische Behandlung darstellt, hält der Radiotherapie-Erfolg im Gegensatz zu konservativen Maßnahmen langfristig an", berichten Dr. R. Ruppert von der Orthopädischen Universitätsklinik in Freiburg und seine Kollegen in "Der Orthopäde" (33, 2004, 56). Ruppert hat in einer Studie 73 Patienten mit therapieresistenten Arthrosen im Bereich der Hüft-, Knie-, Schulter- und Daumensattelgelenke im Mittel vier Jahre nachuntersucht. Die meisten von ihnen hatten eine lokale Radiotherapie mit einer Gesamtdosis von 6 Gy über zehn Wochen erhalten.

Die meisten Patienten gaben zumindest eine Besserung an

19 der Patienten wurden beschwerdefrei, 22 gaben eine wesentliche Besserung, weitere 22 eine Besserung an. Ruppert verifizierte seine Ergebnisse mit Hilfe einer visuellen Schmerz-Analogskala (VAS), Untersuchung verschiedener Schmerzkategorien sowie orthopädischer Scores. Dabei kamen signifikante Unterschiede heraus. So sank der prätherapeutische VAS-Wert von acht Punkten (bei zehn möglichen!) nach der Bestrahlung auf vier.

Weniger rezidvierende Gelenkergüsse

Auch die Zahl rezidivierender Gelenkergüsse ging signifikant zurück. Bei 25 Patienten, die wegen beidseitiger Symptomatik gleichzeitig an jeweils beiden kontralateralen Gelenken bestrahlt worden waren, nahm die Symptomatik nahezu identisch ab.

Diese Ergebnisse bestätigten die Resultate vorangegangener Studien, so Ruppert und sein Team. Sie empfehlen die Bestrahlung mit zwei Serien von jeweils sechsmal 0,5 Gy und drei Fraktionen pro Woche insbesondere bei älteren Patienten, und zwar unabhängig vom Arthrosegrad. Bis die Wirkung einsetzt können bis zu sechs Monate vergehen. Bei sehr alten Patienten und sehr starken degenerativen Veränderungen müsse tendenziell mit einem vergleichsweise schlechteren Ergebnis gerechnet werden. Komme es trotz zweier Bestrahlungsserien zum Rezidiv, sei eine weitere Serie nicht sinnvoll.

Nur geringes Risiko für Strahlenschäden

Die Gefahr von Strahlenschäden ist nach Meinung des Orthopäden und der Strahlentherapeuten relativ gering. In der Studie kam es zu keinen Hautaffektionen. Die Gonadenbelastung bei Omarthrose und Rhizarthrose sei ähnlich wie bei einer diagnostischen Röntgen-Routineuntersuchung oder geringer. Gerade in den Bereichen der Schulter und des Daumens sei der endoprothetische Gelenkersatz noch nicht ausgereift, so daß besonders dort die Radiotherapie eine zusätzliche Behandlungsoption sei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »