Ärzte Zeitung, 08.03.2006

Silikon-Platzhalter machen kaputte Fingergelenke beweglich

Operiert wird bei erheblicher Gelenkzerstörung durch Rheuma und Arthrose / Optionen sind vor allem Platzhalter aus Silikonkautschuk

WETTER (ner/gwa). Auch bei schweren Fingergelenkzerstörungen durch Rheuma kann die Fingerbeweglichkeit operativ erhalten werden. Als Gelenkersatz gibt es gekoppelte und ungekoppelte echte Prothesen sowie Platzhalter zwischen den Fingerknochen. Solche Platzhalter aus Silikonkautschuk sind Goldstandard. Inzwischen ist das Design verbessert worden.

Subluxierte Fingergrundgelenke bei rheumatoider Arthritis vor der Operation. Fotos (3): Hilker

Die NeuFlex®-Platzhalter in den Grundgelenken des Zeige- bis Kleinfingers machen die Finger wieder beweglicher.

Die Silikonimplantate sind keine Prothesen, sondern Platzhalter ohne Gelenkstruktur, die für eine physiologische Distanz zwischen den Fingerknochen sorgen und die Gelenke beweglich machen. Diese Implantate haben je einen Schaft für den proximalen und distalen Knochen mit Silikonauflagen (nicht gekoppelt), oder die Schäfte sind durch ein bewegliches Silikon-Mittelstück verbunden (gekoppelt).

Oben der Silikonplatzhalter nach
Swanson, unten der neue Platzhalter NeuFlex® zum Vergleich.

Die Platzhalter wachsen nicht fest ein, sondern werden von Bindegewebe umscheidet. Diese Hülle gibt dem Gelenk auch dann noch einen gewissen Halt, wenn das Material versagt.

Im Vergleich zum bisherigen Goldstandard, dem Silikonplatzhalter nach Swanson, ermögliche das anatomiegerechte Design neuer Implantate wie NeuFlex® eine deutlich verbesserte Gelenkbeweglichkeit. Das berichtet Dr. Arvid Hilker von der Orthopädischen Klinik Volmarstein in Wetter ("Orthopädie & Rheuma" 1, 2006, 34).

Bereits frühzeitig nach der Op werden die Finger mobilisiert. Bei Rheumatikern seien Operationen überwiegend der Fingergrundgelenke notwendig, besonders wenn trotz optimaler konservativer Therapie die Schmerzen anhalten oder die Gelenkfunktion erheblich beeinträchtigt ist. Bei den Fingermittelgelenken sei die Bouchard-Arthrose - eine Arthrose unbekannter Ätiologie - der häufigste Anlaß für eine Prothesenimplantation, so Hilker. Am Fingerendgelenk sei meist nur eine Versteifung sinnvoll.

Außer den Platzhaltern gibt es auch gekoppelte und ungekoppelte echte Prothesen, die das Gelenk nachahmen. Bei gekoppelten Prothesen sind jedoch die Lockerungsraten nach Hilkers Angaben inakzeptabel hoch. Deshalb würden sie kaum verwendet.

Ungekoppelte Prothesen kommen nur in Betracht, wenn Bandstabilität besteht, weil sonst Luxationen die Folge sind. Diese Prothesen sind daher bei fortgeschrittenen Destruktionen mit Gelenksubluxation oder starker Abweichung nicht geeignet.

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