Ärzte Zeitung, 13.11.2007

Comeback für Steroid-Injektionen ins Gelenk bei aktivierter Arthrose

Experten raten zu maximal vier Injektionen pro Jahr in gewichtstragende Gelenke

HAMBURG (grue). Eine medikamentöse symptomatische Therapie bei Patienten mit Arthrose ist vor allem in der Frühphase sinnvoll. Bei akuten Entzündungen einer aktivierten Arthrose erleben Steroid-Injektionen ein gewisses Comeback.

 Comeback für Steroid-Injektionen ins Gelenk bei aktivierter Arthrose

Schmerzt das Knie bei Arthrose, sind i.a. injizierte Glukokortikoide eine Therapieoption.

Foto :imago/Niehoff

"Die intraartikuläre Injektion eines Glukokortikoids bei akuten Entzündungszeichen einer aktivierten Arthrose kann sinnvoll sein", sagte Professor Jürgen Steinmeyer vom Uniklinikum Gießen. Solche Injektionen haben zwar erhebliche Placebo-Effekte - nach Studien zwischen 36 und 86 Prozent. Fachgerecht i.a. injizierte Steroide sind aber stark entzündungshemmend und schmerzlindernd. Auch wird der Erguss abpunktiert: Das nimmt Druck und beseitigt Detritus, so Steinmeyer beim Rheuma-Kongress in Hamburg.

Steroidinjektionen lindern die Beschwerden für etwa zwei Wochen, wobei das Intervall aber mindestens vier Wochen betragen solle. Das Maximum liege bei jährlich vier Injektionen in gewichtstragende Gelenke, sagte Steinmeyer. Als Dauertherapie sind solche Injektionen wegen möglicher Knorpelschädigung nicht geeignet. Auch kämen Injektionen in die Hüfte nicht infrage, wegen der schwierigen Injektionstechnik und der Gefahr von Knochennekrosen.

Ein weiterer Kandidat für i.a.-Injektionen ist die Hyaluronsäure, die vorwiegend bei Gonarthrose den natürlichen Hyaluronsäure-Vorrat aufstocken soll. "Es gibt Präparate mit unterschiedlichen Molekulargewichten, was die Beurteilung der Wirksamkeit erschwert", so Steinmeyer. Nach den Ergebnissen einer Meta- Analyse könne Hyaluronsäure den Arthrose-Schmerz lindern und die Gelenkfunktion bessern. Eine chondroprotektive Wirkung sei bisher nicht überzeugend belegt, so Steinmeyer.

Weil Patienten selten in frühen Stadien einer Arthrose gesehen werden, ist die Pathogenese wenig erforscht. Die Arthrose-Forschung hinke jener bei Rheumatoider Arthritis um zehn Jahre hinterher, so Dr. Thomas Pap vom Uniklinikum Münster. Klar ist mittlerweile, dass Arthrose mit einer Stoffwechselstörung der Knorpelzellen beginnt. Die Aktivierung matrixabbauender Enzyme löst einen Schneeballeffekt aus: Es kommt zur Einlagerung von Kalk, zu Knorpeldestruktion und Knochenneubildung im Randbereich der Gelenke. Was die Initialzündung auslöst, ist unklar. Der Prozess der Knorpeldegeneration scheine aber zum Teil Prozesse der Knorpel- und Knochenbildung aus der Embryogenese zu wiederholen. Hier könnte ein Ansatzpunkt für neue Arzneien sein.

Bei www.rheumanet.org gibt es weitere Informationen

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