Ärzte Zeitung online, 18.08.2010

Hat der Elch Arthrose, frisst ihn der Wolf

Im Norden der USA haben Elche Arthrose / Ursache ist wohl Mangelernährung

BOSTON (hub). Im Isle-Royal-Nationalpark an der Grenze von USA und Kanada leiden die Elche an Arthrose. Das ist schlecht für sie, werden sie so eher von Wölfen gerissen. Medizinisch interessant: Ursache der Arthrose scheint Mangelernährung zu sein.

Hat der Elch Arthrose, frisst ihn der Wolf

Auch dem Elch tut Arthrose weh: Die Ursache für die Gelenkerkrankung scheint bei Elchen Mangel- oder Unterernährung zu sein.

© Siegmar / fotolia.com

Vor etwa 100 Jahren sind Elche durch den Oberen See (Lake Superior) auf die Isle Royal geschwommen, die größte Insel in dem See. Seitdem sind sie dort heimisch. Die Insel ist knapp 72 Kilometer lang und etwa 13 Kilometer breit und wurde 1940 zum Nationalpark erklärt. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein Teil der Elche an Arthrose leidet, berichtet die New York Times online. Die Gelenkerkrankung sei dabei ähnlich jener von Menschen, weshalb sich die Forscher Rückschlüsse für mögliche Präventionen erhoffen.

Und diese Hoffnung trügt nicht, denn die Forscher von der Boston University School of Medicine und der Technischen Uni von Michigan fanden, dass Mangel- oder Unterernährung eine Ursache der Elcharthrose ist. Von der Jagdstrategie der Wölfe, über Exkremente der Elche, Knochen von mehr als 4000 Elchen und weitere 1200 Kadaver wurden unter die Lupe genommen.

Heraus kam, dass die Elche mit arthrotischen Gelenken meist kleiner waren als gesunde. Das haben die Messungen der Mittelfußknochen der Tiere ergeben. Ein kurzer Mittelfußknochen sei ein Hinweis auf schlechte Ernährung in der frühen Entwicklung, sagt Dr. Rolf Petersen in der NYT. Die Forscher konnten auch die Geburtszeiträume der Arthrose-Elche bestimmen. Geboren wurden sie zu Zeiten, als das Nahrungsangebot knapp war. Die Mütter haben somit nicht ausreichend Milch produzieren können.

Solche Beziehungen wurden auch in menschlichen Gesellschaften gefunden. So zeigten Untersuchungen von Knochen amerikanischer Ureinwohner aus dem heutigen Florida und Georgia aus dem 16. Jahrhundert ebenfalls arthrotische Veränderungen. Als Ursache sehen die Forscher die Ernährungsumstellung von Fisch und Wildpflanzen auf Getreide im Zuge der Besiedelung durch weiße Zuwanderer. Das habe zu einem Mangel an essenziellen Aminosäuren und zu Eisenmangel geführt.

In Großbritannien wurden bei Männern, die während des zweiten Weltkriegs geboren wurden, ebenfalls Arthrosen in den Händen gefunden. Die Männer hatten meist ein niedriges Geburtsgewicht, was auf pränatale Mangelernährung hinweise, so die Forscher in der NYT. Ähnliche Befunde haben auch Untersuchungen von Chinesen ergeben, die während der großen Hungersnot in den 50er-Jahren geboren wurden.

Doch nicht nur Mangelernährung kann ein Problem für Gelenke sein, auch Überernährung ist problematisch. Werden etwa Pferde während der Tragzeit oder nach der Geburt überfüttert, zeigen sie ebenfalls Veränderungen ihrer Gelenke, so die Forscher weiter.

Solche Forschungen wie auf der Isle Royal seien wichtig, um hinter die Ursachen einer Arthrose zu kommen und daraus auch genaue Ernährungsempfehlungen abzuleiten. Es gehe darum, welche Vitamine schwangere Frauen nehmen sollten und welche Nahrungsmittel vorteilhaft sind, im Sinne einer Arthroseprävention ihres Nachwuchses.

[19.08.2010, 12:50:49]
Kornelis Biron 
Kornelis Biron (Tierarzt)
Das Elche nicht gerade für Ihre Gelenke berühmt sind wussten schon die alten Römer:

Cäsar: De bello gallico

Sunt item, quae appellantur alces. Harum est consimilis capris figura et varietas pellium, sed magnitudine paulo antecedunt mutilaeque sunt cornibus et crura sine nodis articulisque habent. Neque quietis causa procumbunt neque, si quo adflictae casu conciderunt, erigere se aut sublevare possunt. His sunt arbores pro cubilibus; ad eas se adplicant atque ita paulum modo reclinatae quietem capiunt. Quarum ex vestigiis cum est animadversum a venatoribus, quo se recipere consuerint, omnes eo loco aut ab radicibus subruunt aut accidunt arbores, tantum ut summa species earum stantium relinquatur. Huc cum se consuetudine reclinaverunt, infirmas arbores pondere adfligunt atque una ipsae concidunt.

Es gibt ebenso Tiere, die Elche genannt werden. Ihnen ist die Gestalt und die Färbung von Ziegen ähnlich, aber in der Größe übertreffen sie sie ein wenig, ihre Hörner sind verstümmelt und sie haben Beine ohne Knöchel und Gelenke. Weder legen sie sich zum Schlafen hin noch können sie, wenn sie durch irgend einen Zufall umgeworfen, sich aufrichten oder aufstehen. Ihnen dienen Bäume als Schlafstätten. Sie nähern sich ihnen an und genießen so, ein wenig an sie angelehnt, Ruhe. Wenn Jäger durch Spuren bemerkt haben, wohin sie sich gewöhnlich zurückziehen, untergraben sie dort alle Bäume oder kerben sie so sehr an, dass im Ganzen noch der Anschein stehender Bäume bleibt. Wenn sie sich ihrer Gewohnheit nach hier angelehnt haben, bringen sie die schwachen Bäume durch ihr Gewicht zu Fall und werden selbst getötet.

Da diese Veröffentlichung nicht peer-reviewed war, hat Plinius diesen Unsinn später in seiner Naturalis historia aufgenommen. zum Beitrag »
[18.08.2010, 17:54:12]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Elchmangel und Elchmangelernährung
Die eigentlichen Feinde der Elche -
sind selber welche!
Der Wolf frisst den Rest -
of the best!

Sorry, bei diesen miserablen gesundheitspolitischen Diskussionen und der Berliner Beschützenden Werkstatt sind mir einfach die Pferde, äh Elche, durchgegangen.
Mit freundlichen, kollegialen Grüßen
Ihr Thomas G. Schätzler zum Beitrag »

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