Ärzte Zeitung, 02.10.2012

Metall-Metall-Prothesen

Für Männer gut, für Frauen weniger

Vor allem Männer profitieren von hüftkopferhaltenden Oberflächenprothesen. In einer Studie waren bei ihnen nach zehn Jahren noch fast alle Prothesen intakt, bei den Frauen deutlich weniger.

Von Peter Leiner

Für Männer gut, für Frauen weniger

Patienten mit Coxarthrose brauchen oft eine Hüftprothese.

© BSIP / Your Photo Today

OXFORD. Britische Orthopäden hatten zunächst über die Haltbarkeit und Verträglichkeit der BHR-Prothese (Birmingham Hip Resurfacing) nach fünf Jahren berichtet: Zu diesem Zeitpunkt waren noch 95 Prozent intakt.

In der aktuellen Studie stellen sie retrospektiv die Ergebnisse nach zehn Jahren vor: Frauen schnitten schlechter ab und mussten wegen Pseudotumoren öfter erneut operiert werden (J Bone Joint Surg Br 2012: 94-B:1080-1086).

Die 554 Patienten trugen insgesamt 646 Prothesen vom BHR-Typ. 267 Prothesen wurden Frauen implantiert. Der jüngste Patient war 16,5 Jahre alt, der älteste 81,5 Jahre.

Männer unter 50 profitierten am meisten

Die Zehn-Jahres-Daten ergaben, dass bei Frauen drei von vier Prothesen mit Metall-Metall-Gleitpaarungen noch intakt waren, Revisionsoperationen wegen Pseudotumoren waren bei 7 Prozent erforderlich.

Besser waren die Ergebnisse bei den Männern: Nach zehn Jahren waren in allen Altersgruppen noch 95 Prozent der Implantate intakt, nur bei 1,7 Prozent waren Revisions-Ops wegen Pseudotumoren nötig.

Am meisten profitierten Männer unter 50 Jahren. Denn mit 99 Prozent waren nach zehn Jahren noch fast alle Prothesen intakt. Das sei deutlich besser Ergebnis als mit konventionellen Hüfttotalendoprothesen, so die Ärzte aus Oxford.

Die jüngeren Männer hätten wohl eher Probleme mit den konventionellen Prothesen. Davon sind einer schwedischen Studie von 2008 zufolge nach zehn Jahren nur noch 85 Prozent intakt.

Hohe Zufriedenheit

Die meisten Patienten gaben an, dass sie mit der BHR-Prothese sehr zufrieden waren: 80 Prozent der Patienten hatten einen OHS-Wert (Oxford Hip Score) von mehr als 41 Punkten (maximal 48 Punkte).

Bei 13 Prozent der Patienten wurde ein OHS-Wert zwischen 34 und 41 ermittelt, sie waren also mit der Funktion der Prothese zufrieden. Von 3 Prozent wurde die Funktion als mäßig beurteilt, von 4 Prozent als schlecht.

Da offenbar die Rate an Pseudotumoren, die durch Metallionen induziert werden, mit der Dauer der Nachbeobachtungszeit zunimmt und bei Frauen die Rate besonders hoch ist, empfehlen die britischen Orthopäden die Metall-Metall-Gleitpaarungen bei dieser Patientengruppe nicht.

Zudem sollten die behandelnden Ärzte für die mögliche Entstehung von Pseudotumoren besonders sensibilisiert sein.

Quelle: www.springermedizin.de

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