Ärzte Zeitung, 05.08.2015

Bildgebende Diagnostik

Früherkennung der Arthrose ist keine Utopie

Spezielle bildgebende Verfahren erkennen erste Knorpelschäden so früh, dass eine Arthrose verhindert werden kann.

BREMEN/BERLIN. Bei Gelenkschmerzen wird eine bereits bestehende Arthrose meist nur anhand einer Röntgenaufnahme festgestellt, erinnert die Deutsche Rheuma-Liga (DRL): Der Gelenkspalt zwischen zwei Knochen ist kleiner als üblich.

"Die Knorpelschicht ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgebaut und kann nicht wieder hergestellt werden", wird Dr. Ingo Arnold von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie in einer Mitteilung der DRL zitiert. Für eine präventive Therapie sei es daher zum Zeitpunkt der Diagnose schon zu spät.

"Dabei kündigt sich die Arthrose zumindest auf molekularer Ebene in Form einer abnormalen Knorpelzellorganisation bereits sehr viel früher an, noch bevor der Patient aufgrund von Schmerzen zum Arzt geht", so der Chefarzt am Rotes Kreuz Krankenhaus, Bremen.

Diese beschädigten Areale, die in einer Röntgenaufnahme als gesund eingestuft werden, könne die Nah-Infrarot-Spektroskopie (Near Infra Red/NIR) als Präarthrose entlarven. "Zu diesem frühen Zeitpunkt können wir noch verhindern, dass es überhaupt zu einem Gelenkverschleiß kommt."

Vielversprechend sei auch eine spezielle Form der Magnetresonanztomographie (MRT), mit der die biochemische Zusammensetzung des Knorpels untersucht wird, so die Rheuma-Liga in ihrer Mitteilung. Denn der Knorpel zeige in der frühen Phase einer Arthrose typische Veränderungen: Es kommt unter anderem zum Verlust von Glykosaminoglykanen (GAG), die als Biomarker dienen.

Seit mehreren Jahren steht eine MRT-Technik zur Verfügung, die anhand des GAG-Gehalts eine Präarthrose erkennt: dGEMRIC (delayed gadolinium-enhanced MRI of cartilage).

Derzeit ist die dGEMRIC-Technik allerdings noch sehr teuer und wird noch nicht im Routinebetrieb angewendet. "Wir gehen aber davon aus, dass diese neuen Verfahren den Patienten schon in zwei bis drei Jahren zur Verfügung stehen könnten", schätzt der Rheumatologe aus Bremen. (eb)

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