Ärzte Zeitung, 26.04.2016

Hüftarthrose

Nur wenige gute Internet-Videos für Patienten

Wer sich auf YouTube zum Thema Hüftarthrose informieren will, findet dort überwiegend Material von schlechter Qualität. Experten aus Wien haben das Angebot gesichtet: Demnach kann man Patienten nur einige wenige der einschlägigen Videos empfehlen.

Von Elke Oberhofer

Nur wenige gute Internet-Videos für Patienten

Wer sich zu seinen Arthrose-Beschwerden auf YouTube informieren will, sollte gezielt nach Qualität suchen.

© psdesign1 / fotolia.com

WIEN. Viele Patienten schauen erst mal nach, was es im Internet so zum Thema gibt, bevor sie mit ihren Hüftproblemen zum Arzt gehen. YouTube bietet zum Thema "Hüftarthrose" eine Menge Material an, von Einzelfallschilderungen über Lehrvideos zur Diagnose bis hin zu Sequenzen, in denen man einer Hüft-Operation von A bis Z beiwohnen kann.

Allerdings ist das, was man dort zu sehen bekommt, aus fachlicher Sicht meist von sehr schlechter Qualität, berichtet ein Team von Orthopäden um Dr. Ulrich Koller vom Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien.

Die Forscher haben an einem einzelnen Tag Ende 2014 alle YouTube-Videos zusammengetragen, die etwas mit Hüftarthrose, deren Symptomen, Diagnose und Behandlung sowie mit dem Hüftersatz zu tun hatten. 133 Filme flossen in die Studie ein (Int Orthop 2016; online 31. März).

Das Material wurde anhand von zwei Checklisten ausgewertet, die die Forscher auf der Grundlage der verfügbaren Evidenz und aufgrund von Expertenmeinungen angefertigt hatten. Dabei wurde zwischen diagnostisch hilfreicher Information und Information zu den Behandlungsmöglichkeiten der Hüftarthrose unterschieden.

Parameter für exzellentes Diagnostikvideo

Ein exzellentes Diagnostikvideo muss den Experten zufolge unter anderem Informationen zu Anamnese, Schmerzlokalisation, Beurteilung von Bewegungseinschränkungen und Schwierigkeiten im Alltag, körperlicher Untersuchung und Bildgebung beinhalten.

Hier waren 84 Prozent der Videos von "schlechter Qualität", das heißt, bei maximal 12 erreichbaren Punkten kamen sie auf höchstens 3 Punkte. 14 Prozent erreichten mäßige Qualität (4 bis 7 Punkte) und nur in zwei Fällen (2 Prozent) wurde "exzellente Qualität" (8 bis 12 Punkte) bescheinigt.

Fokussierte man sich nur auf ärztlich unterstütztes Infomaterial, sah es zwar etwas besser aus, aber auch hier wurde exzellente Qualität nur von 4 Prozent und selbst mäßige Qualität nur von 24 Prozent erreicht.

Bei der Therapie kam es den Forschern unter anderem auf Hinweise zur Patientenedukation, Gewichtsabnahme, NSAR-Einnahme und zur Bewegung sowie zu physiotherapeutischen Übungen an.

Die Checkliste umfasst außerdem Punkte, die bei der Beratung vor einer Hüft-Op. eine Rolle spielen (zum Beispiel Erläuterung des Gesamtkonzepts, Überblick über die verschiedenen Oberflächen beim Gelenkersatz und über die Möglichkeiten der Fixation).

Drei Prozent der Videos ausgezeichnet

Zudem wurden Informationen zur Nachsorge und zu möglichen Komplikationen der Hüft-Operation erfasst. Auch in dieser Hinsicht erwies sich YouTube als überwiegend äußerst schlechte Informationsquelle.

Die Qualität war unter therapeutischem Aspekt in 86 Prozent schlecht, in 11 Prozent mäßig und nur in 3 Prozent ausgezeichnet.

Insgesamt fiel auf, dass Videos, in denen Ärzte auftraten, signifikant weniger geklickt und auch deutlich weniger "geliked" wurden.

Koller und seine Kollegen raten ihren orthopädisch tätigen Ärzten, sich mit dem Phänomen "YouTube" mehr auseinanderzusetzen.

Man solle die Patienten tunlichst auf die Mängel hinweisen, die sich in den Filmen zum Thema Hüftarthrose verbergen (ähnliche Auswertungen liegen im orthopädischen Bereich bereits für die Themen "femoroacetabuläres Impingement" und "Kniegelenkspunktion" vor).

Der klare Favorit unter den gesichteten Videos zur Hüftarthrose war ein knapp 40-minütiger Lehrfilm mit dem Titel "Hip Pain & Arthritis: Evaluation & Treatment".

Die vom Washington Hospital in Pennsylvania erstellte Sequenz erreichte als einzige in beiden Kategorien der Checkliste das Maximum von 12 Punkten und kann damit uneingeschränkt zur Patientenedukation empfohlen werden. Der einzige Haken: Der Film ist auf englisch.

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