Ärzte Zeitung, 06.04.2004

Ballonkyphoplastie richtet gebrochenen Wirbel wieder auf

Volle Belastbarkeit und drastische Schmerzreduktion schon ein bis zwei Tage nach minimal-invasivem Eingriff / Frühe Anwendung empfohlen

LEIPZIG (ide). Der Ballonkyphoplastie als minimal-invasives operatives Verfahren zur Behandlung bei schmerzhaften Wirbelkörperfrakturen scheint nun weltweit der Durchbruch gelungen zu sein. Mit dieser eleganten Methode läßt sich bei den meisten Wirbelbrüchen eine besonders rasche Rehabilitation erzielen, wie Professor Rudolf Ascherl aus Leipzig sagt.

Kurz nach der Operation haben Patienten erheblich weniger Schmerzen und sind nach 24 bis 48 Stunden unter Vollbelastung mobilisierbar. Lange Liegezeiten im Krankenhaus und dauerhaftes Tragen eines Korsetts oder Mieders entfallen. "Erfreulicherweise haben auch die gesetzlichen Krankenkassen Mittel für dieses Verfahren bereit gestellt und übernehmen zu einem großen Anteil die Kosten", betonte Ascherl, Präsident des Kongresses "Osteologie 2004 - Knochenheilung - Heile Knochen", in Leipzig.

Unter Nutzung eines von Unternehmen Kyphon entwickelten Instrumentariums werden zunächst, wie berichtet, über zwei einen Zentimeter große Einschnitte zwei Arbeitskanülen in den gebrochenen Wirbelkörper gebohrt. Durch diese Kanülen wird jeweils ein speziell entwickelter aufblasbarer Ballon ins Innere des betroffenen Wirbelkörpers vorgeschoben.

Direkt unterhalb der Fraktur wird dann unter Röntgenkontrolle der Ballon gefüllt. Damit läßt sich der gesinterte Wirbel wieder aufrichten und die Wirbelkörperhöhe rekonstruieren. Nach Entfernen des Ballons wird der so geschaffene Hohlraum über eine großkalibrige Kanüle ohne Druck mit Knochenzement aufgefüllt.

Weltweit sind bis heute über 65 000 Kyphoplastien gemacht worden. Die im Vergleich zur Vertebroplastie sehr niedrige Komplikationsrate von 0,1 Prozent läßt sich nach Angaben von Dr. Christian Günther aus Bad Füssing auch dadurch erklären, daß jeder Anwender der Ballonkyphoplastie eine sehr gründliche theoretische und praktische Ausbildung absolviert hat.

Wie Professor Peter J. Meeder von der Heidelberger Uni-Klinik berichtete, wird das Verfahren seit zwei Jahren auch in der Uniklinik erfolgreich genutzt. Fazit einer prospektiven Studie bei 159 Patienten mit 302 Wirbelfrakturen: Außer der Aufrichtung der betroffenen Wirbelkörper verbesserte sich vor allem die Schmerzsymptomatik deutlich. Meeder empfiehlt die sehr frühe Anwendung.

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