Ärzte Zeitung, 19.10.2004

Elfenbein und Holz - die Werkstoffe der Gelenk-Pioniere

Erst seit wenigen Jahrzehnten gelingt es, Gelenke dauerhaft endoprothetisch zu ersetzen. Modernes Material wie Chrom-Kobalt-Molybdän, Titan, hochvernetztes Polyethylen, Keramik und Kohlefaser machen Implantate heute belastbar und langlebig. Begonnen aber hat es mit ganz anderen Werkstoffen.

  • Um 1890 pflanzt Themistocles Gluck, ein Berliner Chirurg, einem Patienten ein Elfenbein-Scharniergelenk als Handgelenksersatz ein. Es funktioniert, muß aber bald entfernt werden, da es sich entzündet. Versuche anderer Pioniere, Gelenke etwa mit Schweineharnblasen-Interponaten, Holz- Magnesium-, Gummi- oder Metallimplantaten langfristig funktionsfähig zu halten, scheitern ebenso.
  • Um 1930 verwendet der Bostoner Chirurg Dr. Marius N. Smith-Petersen Glasteile, um defekte Hüftköpfe abzudecken. Sie lindern die Arthrosesymptome und sind biokompatibel, aber nicht belastbar genug.
  • 1936/37 kommt eine von Zahnärzten entwickelte Legierung aus Kobalt und Chrom (Vitallium) auf, die als Hüftkopfkappe schon jahrelang hält.
  • Ende der 40er Jahre verankern die Brüder Jean und Robert Judet aus Paris erfolgreich Acryl-Hüftköpfe mit einem Metallstift im Schenkelhals von Patienten.
  • 1959 legt der englische Chirurg Sir John Charnley den Grundstein für die moderne Hüftendoprothetik. Er ersetzt Hüftköpfe durch Metall-, Hüftpfannen durch Polyethylen-Implantate, beides wird zementiert.
  • Anfang der 70er Jahre implantiert der in New York tätige Engländer Dr. John Insall Knieendoprothesen, die als Prototypen der heute gebräulichen Prothesen gelten. (slp)

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