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Ärzte Zeitung, 27.01.2005

Orthopäden plädieren bei Skoliose für Korsett

Die besten Erfolgschancen bestehen bei thorakolumbalen Skoliosen / Studie mit 59 jugendliche Patienten

MÜNSTER (ner). Das Für und Wider einer Korsettbehandlung bei idiopathischer Skoliose ist nach wie vor kontrovers. Orthopäden von der Uni Münster haben jetzt eine langjährige prospektive Studie zu dem Thema abgeschlossen und sagen: Ja, das Korsett bringt oft etwas. Zudem gibt es Risikofaktoren für Korsettversager.

Es ist weniger wichtig, wie die Wirbelsäule unmittelbar nach Abschluß der Korsettbehandlung, sondern wie sie ein paar Jahre später aussieht: Ist die Progredienz der Skoliose langfristig gestoppt worden? Eine Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung ist nicht zu erwarten.

    Die besten Aussichten auf Erfolg haben junge Mädchen.
   

Dr. Viola Bullmann von der Orthopädischen Uniklinik in Münster und ihre Kollegen haben Mitte der 90er Jahre 59 jugendliche Patienten mit idiopathischer Skoliose, nicht abgeschlossenem Skelettwachstum und einem Ausgangs-Cobb-Winkel zwischen 25 und 40 Grad in eine prospektive Studie aufgenommen. 52 Patienten wurden bis mindestens 36 Monate nach der Korsettabschulung (bei Skelettreife) regelmäßig nachuntersucht (Z Orthop 142, 2004, 403).

Die Orthopäden verwendeten individuell angepaßte Chêneau-Münster-Orthesen, welche permanent getragen werden müssen und nur zur Körperpflege und zur Krankengymnastik abgelegt werden dürfen. Zweimal pro Woche erfolgte die Skoliose-spezifische Krankengymnastik. Außerdem sollten die jungen Patienten täglich selbst Gymnastik-Übungen machen.

Erfolgreich war die Behandlung vor allem bei jungen Mädchen. Bei mehr als der Hälfte (58 Prozent) habe die Therapie geholfen, so die Orthopäden. Bei Jungen gibt es offenbar ein erhebliches Compliance-Problem: Sechs von sieben Studienteilnehmern waren Therapieversager.

Die besten Erfolgschancen bestanden bei thorakolumbalen Skoliosen - hier brachte die Therapie nur bei 30 Prozent keinen Erfolg, bei den Thorakalskoliosen dagegen war dies bei 50 Prozent der Fall. 14 von 52 Patienten wurden letztlich operiert.

Weitere Risikofaktoren für einen zu erwartenden Mißerfolg sind außer männlichem Geschlecht und der Thorakalskoliose eine schlechte Primärkorrektur im Korsett, etwa aufgrund einer vergleichsweise geringen Skelettflexibilität, sowie junges Alter mit unreifem Skelett. Dies wird mit dem rasch progredienten Verlauf der Skoliose bei unreifem Skelett erklärt, berichten die Orthopäden.

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