Ärzte Zeitung, 03.03.2005

Sprunggelenkprothese macht oft völlig schmerzfrei

Künstliches Sprunggelenk sorgt für ein normales Gangbild / Gute Langzeit-Ergebnisse nach drei Jahren

HANNOVER (grue). Verletzte Sprunggelenke sind schwer zu ersetzen und wurden bisher häufig versteift. Eine neue Prothese paßt sich der komplizierten Anatomie an und sorgt für gute Beweglichkeit und ein normales Gangbild.

a.p.-Aufnahme drei Monate nach Implantation der Sprunggelenk-Prothese. Fotos (2): Beat Hintermann, Basel

Seitliches Bild: Die Prothese liegt auf der Tibiaseite großflächig auf. Das mindert die Gefahr von Knocheneinbrüchen.

Das künstliche Sprunggelenk hat der Schweizer Chirurg Professor Beat Hintermann aus Basel entwickelt und kürzlich bei einem Workshop in Hannover vorgestellt. Hintegra® besteht aus den beiden anatomisch geformten und aus Cobalt-Chrom hergestellten Schienbein- und Sprungbeinkomponenten sowie einem zentralen Gleitkern aus Polyethylen. "Die Prothese verspricht eine maximale Abstützung bei minimalem Knochenverlust", so Hintermann bei dem vom Unternehmen Intraplant unterstützten Veranstaltung.

Vom Schienbein müsse nur etwa ein Millimeter, vom Sprungbein müßten zwei Millimeter entfernt werden, um die flache Prothese einsetzen zu können. Die primäre Stabilität wird durch Verschraubung mit einem Tibiaschild erreicht. Die Talusanteil ist durch Zapfen gesichert, kann aber auch zusätzlich verschraubt werden. Alle drei Komponenten sind in fünf Größen erhältlich, außerdem kann der Gleitkern in drei Dicken von fünf bis neun Millimeter gewählt werden.

"Die Prothesenmodelle passen sich den individuellen Bedingungen im oberen Sprunggelenk so weit an, daß sich nach der Implantation ein physiologisches Gangbild unter korrekter Einbeziehung des Bandapparates ergibt", sagte Hintermann. Das Kunstgelenk liege auf der flach geformten Tibiaseite relativ großflächig auf, das verringere die Gefahr eines Knocheneinbruchs.

In der Basler Klinik wurden bisher 122 Patienten mit dem Kunstgelenk versorgt, davon 91 wegen posttraumatischer Arthrose. Aber auch bei primärer Arthrose oder entzündlicher Arthritis könne die Prothese verwendet werden, so Hintermann.

Die behandelten Patienten wurden prospektiv für im Mittel 19 Monate nachuntersucht, dabei wurde zu 81 Prozent ein gutes oder sehr gutes funktionelles Ergebnis erzielt. Die Rate an frühen Komplikationen war mit sechs Prozent gering, und auch im späteren Verlauf sei es bisher nur dreimal zu Lockerungen oder Vernarbungen gekommen, sagte der Orthopäde.

"Die Beweglichkeit des Sprunggelenkes nimmt nach der Implantation langsam und stetig zu". Die ersten elf Patienten trügen nun seit drei Jahren die Prothese und seien damit gut zufrieden. Keiner von ihnen habe starke Schmerzen, acht seien sogar völlig schmerzfrei.

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