Ärzte Zeitung, 24.03.2006

Seltene Osteomyelitis-Form ließ Kind humpeln

Elfjähriges Mädchen hatte Garré-Osteomyelitis im oberen Sprunggelenk / Therapie mit Antibiotika und Krücken

WEILHEIM (ner/gwa). Nach der Devise "Seltenes ist selten" wird die Suche nach der Ursache scheinbar harmloser Beschwerden manchmal vorzeitig eingestellt. Ein Kollege ließ bei einem jungen Mädchen mit Sprunggelenksschmerzen jedoch nicht locker, diagnostizierte eine seltene Osteomyelitis-Form und behandelte erfolgreich.

Konventionelle Röntgenaufnahme des rechten oberen Sprunggelenks von vorn. Man sieht ein altersentsprechendes Gelenk ohne Auffälligkeiten. Erst mit Magnetresonanztomographie ist dem Gelenk ein umschriebenes Ödem (hell, Pfeil) in der unteren medialen Tibiametaphyse erkennbar.
Fotos (2): Dr. Klaus Bachfischer, Orthopädisches Fachzentrum Weilheim

Ein elfjähriges Mädchen mit akuten Schmerzen im oberen Sprunggelenk wurde zu Dr. Klaus Bachfischer ans Orthopädische Fachzentrum Weilheim überwiesen. Für die Beschwerden ließ sich keine äußere Ursache ermitteln. Am rechten Innenknöchel stellte der Orthopäde einen Druckschmerz fest, die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks war schmerzbedingt eingeschränkt ("Orthopädie & Rheuma" 1, 2006, 70).

Erhöhte Entzündungsparameter, Rheumafaktoren oder Borreliose-Titer lagen nicht vor, ebenso waren die konventionellen Röntgenbilder ohne Befund. Nur der Antistreptolysin-Titer war erhöht - ein Hinweis auf einen Infekt mit betahämolysierenden Streptokokken.

In der Tat ergab die Magnetresonanztomographie des rechten oberen Sprunggelenks eine umschriebene ödematöse Veränderung im Knochen an der inneren unteren Tibia-Metaphyse. Der sichtbare Prozeß reichte an die Wachstumsfuge heran. Die Diagnose lautete: primär chronische Osteomyelitis vom Typ Garré.

Typisch für primär chronische Osteomyelitiden sind Knochenverdichtungen und Sklerosierungen. Manchmal ist die Abgrenzung zu Ermüdungsfrakturen und zum Osteoidosteom schwierig. Die Garré-Osteomyelitis verläuft nicht eitrig. Es wird diskutiert, ob es sich bei dieser Osteomyelitis-Form eventuell um eine starke Immunreaktion nach einem Infekt handelt, wobei im Knochen in der Regel keine Bakterien nachweisbar sind.

Dennoch wird mit Antibiotika behandelt: Das Mädchen erhielt zehn Tage lang Cefpodoxim. Außerdem bewegte es sich mit Unterarmgehstützen vorwärts, wodurch das obere Sprunggelenk entlastet wurde. Dank dieser doppelten Strategie besserten sich die Symptome.

Nach zwei Wochen war der lokale Druckschmerz verschwunden, das Gehen nicht mehr beeinträchtigt. Sollten die Beschwerden erneut auftreten, will Bachfischer - zusätzlich zur Magnetresonanztomographie - mit der Knochenszintigraphie multifokale Herde ausschließen. Sollte die Größe zunehmen, plant der Orthopäde eine Probeexzision zur bakteriologischen und histologischen Abklärung vorzunehmen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »