Ärzte Zeitung, 02.03.2006

Neuer Knochenersatzstoff ist Spongiosa sehr ähnlich

Material enthält wie natürlicher Knochen Apatit-Kristalle

JENA (ner). Ein neues Knochenersatzmaterial haben Wissenschaftler an der Universität Jena entwickelt. Das dreidimensionale Polymergerüst kann sowohl außerhalb des Körpers mit Zellen besiedelt werden (tissue engineering) als auch ohne Zellansiedlung implantiert werden.

Das Gerüst des neuen Knochenersatzes basiert auf einem natürlichen Polymer. Foto: IMT/FSU Jena

Das Gerüstmaterial aus einem polymerem Kohlenhydrat sei der Knochenspongiosa von Menschen sehr ähnlich, so der Biophysiker Professor Klaus D. Jandt vom Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie in Jena zur "Ärzte Zeitung".

"Darüber hinaus enthält unser Material wie natürlicher Knochen, Apatit-Nanokristalle", betont er. Die Kalzi-umapatit-Kristalle bewirken, daß sich Osteoblasten wesentlich schneller ansiedeln als ohne die Kristalle. Das haben die von der Arbeitsgruppe um Jandt kürzlich publizierten in-vitro-Versuchsreihen ergeben (Acta Biomaterialia 2, 2006, 75).

Die dreidimensionale Gerüststruktur des porösen Polymers schafft einen Raum, in den die Knochenvorläuferzellen einwandern, proliferieren und sich differenzieren können. Würde ein solches Gerüst implantiert, bilden sich nach Kontakt mit den Körperflüssigkeiten Kalziumkomplexe an den vorgegebenen Strukturen.

Die biomechanischen Eigenschaften des Ersatzknochens sind bislang noch nicht untersucht worden. Für diese Tests sowie für erste in-vivo-Versuche bei Tieren suchen die Wissenschaftler derzeit nach finanzieller Unterstützung, nach einem Drittmittel-Geber sowie nach Forschungspartnern.

Anwendungsmöglichkeiten bei Menschen sieht Jandt beim Ersatz aller Spongiosa enthaltenden Knochenteile des Körpers, zum Beispiel nach Unfällen, bei pathologischen Knochenveränderungen oder bei Zahnoperationen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »