Ärzte Zeitung, 04.05.2006

"Bei wiederholt erhöhter Harnsäure über 9 mg/dl ist Therapie sinnvoll"

Akuttherapie etwa mit NSAR / Dauertherapie: Allopurinol

WIESBADEN (kat). Nicht immer muß ein Patient wegen eines Harnsäurewertes über 7 mg/dl behandelt werden. Liegt der Wert aber wiederholt über 9 mg/dl, ist es Zeit, die Ernährung umzustellen und Urikosurika einzusetzen.

Bei einem Gichtanfall hilft ein NSAR, Colchicin oder ein Glukokortikoid, in der Dauertherapie ist weiter Allopurinol der Goldstandard. Harnsäurewerte von 5,5 bis 6,4 mg/dl sind das Therapieziel.

Eine Harnsäure-senkende Therapie bei erhöhter Harnsäurewerte hält Privatdozent Uwe Lange aus Bad Nauheim nur bei wiederholten Werten von über 9 mg/dl für notwendig, da nur jeder zehnte Patient mit Hyperurikämie eine Gicht entwickelt und eine langzeitige Compliance wegen unerwünschter Therapie-Effekte unwahrscheinlich ist.

Für ganz wichtig hielt Lange, Betroffene darauf hinzuweisen, daß es während der Harnsäure-senkenden Therapie in den ersten drei Monaten noch zu Schüben kommen kann. Denn damit rechnen die Patienten sonst nicht und könnten frustriert sein.

    Im Gichtanfall: Diät und zwei Liter Flüssigkeit täglich.
   

Die Therapie beim Anfall besteht in diätetischen Maßnahmen und ausreichender Flüssigkeitszufuhr (zwei Liter täglich). Als medikamentöse Therapie kommen NSAR, Colchicin und Glukokortikoide und eventuell Urikosurika in Frage.

Phenbutazon ist wegen es Risikos einer Granulozytose nur als Kurzzeit-Therapie geeignet, ist aber sehr effektiv. Der Schmerzschub kann durch je eine i.m.-Ampulle an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchbrochen werden. Alternativ kann Indometacin (bis 300 mg/d) oder ein anderes NSAR verwendet werden.

Entscheidet man sich für Glukokortikoide, so reichten meist 20, 30, 20 mg/d an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Als physikalische Maßnahmen empfahl Lange außer der Ruhigstellung die Kryotherapie. Die fünfminütige Anwendung analgesierend, die 20minütige antiphlogistisch wirke.

Für die lebenslange Dauertherapie ist nach wie vor Allopurinol der Goldstandard. Das Urikostatikum sollte in einer Dosis von 100 bis 300 mg/d gegeben werden. Reicht dies nicht aus, kann zusätzlich ein Urikosurikum wie Benzbromaron (50 bis 100 mg/d) verordnet werden.

Bei Nephropathie und Tophi ist zusätzlich eine Alkalisierung des Harn auf einen pH von 5,5 bis 5,8 sinnvoll. Tophi werden heutzutage nur sehr selten operativ entfernt, da sie unter einer Therapie kaum noch auftreten (nur bei zehn Prozent der Patienten statt wie früher bei 50 bis 70 Prozent).

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