Ärzte Zeitung, 23.01.2007

Arm angenäht - Patient kann greifen

Unfallopfer nach zwei Stunden auf Op-Tisch / Mit angenähtem Arm sind grobmotorische Handlungen möglich

BREMEN (cben). Bremer Chirurgen haben einen abgetrennten Unterarm mit Erfolg wieder angenäht. Der rechte Unterarm war einem 44-jährigen Lackierer in Höhe des Ellbogengelenks bei einem Arbeitsunfall abgetrennt worden. Jetzt kann der Patient mit der rechten Hand wieder greifen.

Norbert Ufen hatte Glück im Unglück: Nach einem Unfall konnten ihm Chirurgen den Arm wieder annähen. Fotos (2): Klinikum Mitte, Bremen Klinikverbund Gesundheit Nord

Norbert Ufen war im Oktober 2006 bei der Arbeit ein fünf Tonnen schweres Rohrbündel aus Metallwalzen auf Brust und Arme gefallen. Der rechte Unterarm wurde abgetrennt, der linke Arm, mehrere Rippen und ein Schlüsselbein gebrochen. Wegen einer großen Rissquetschwunde an der Schulter entstand zudem ein Pneumothorax.

Ein Arbeitskollege entfernte mit einem Kran die Rohre, band den Arm ab und stillte die Blutung. "Er hat mir wohl das Leben gerettet", sagte Ufen in Bremen. Innerhalb von zwei Stunden lag der Schwerverletzte auf einem Op-Tisch im Klinikum Mitte.

Um das Unfallopfer kümmerten sich zwei Chirurgenteams

Zwei Teams operierten. Professor Michael Hahn, Direktor der Unfallchirurgie des Bremer Klinikum Mitte, stabilisierte mit äußeren Fixateuren die gebrochenen Knochen beider Arme. Danach rekonstruierte Dr. Can Cedidi, Direktor der Klinik für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie, Nerven und Blutgefäße des abgetrennten rechten Armes. Wegen starken Blutverlustes erhielt der Mann 20 Blutkonserven.

Der abgetrennte Arm des Patienten.

Nach der Op versetzen die Ärzte den Patienten in ein mehr als zweiwöchiges künstliches Koma und operierten ihn in dieser Zeit zehn Mal, vor allem um den Weichteilmantel des angenähten Armes plastisch zu rekonstruieren. Dabei wurden Haut und gefäßversorgendes Gewebe vom Rücken des Patienten auf seinen Unterarm transplantiert.

Insgesamt 15 Mal wurde der Patient operiert

Nach insgesamt 15 Operationen war Norbert Ufen Anfang Dezember aus der Klinik entlassen worden.

Inzwischen kann er wieder ein Wasserglas zum Mund führen. Vor allem grobmotorische Bewegungen sind möglich. "Der Arm wird wohl nicht wieder zu 100 Prozent funktionstüchtig sein. Er ist aber eine wertvolle Hilfe im Alltag. Die Alternative wäre eine Armprothese gewesen", sagte Cedidi. Feinmotorische Bewegungen werden wohl nicht mehr möglich sein. Genaueres lässt sich erst nach der Reha und den kommenden Monaten sagen. Ufen, der Rechtshänder ist, muss jetzt vor allem lernen, die linke Hand mehr einzusetzen.

"Makrochirurgische Eingriffe dieser Art werden in Deutschland höchstens fünf Mal im Jahr erfolgreich vorgenommen", so Cedidi. "Meistens werden Hände replantiert." In Bremen war es die erste Replantation eines Arms.

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