Ärzte Zeitung, 22.11.2007

HINTERGRUND

Die Arbeit am Computer ist eine der Ursachen des Karpaltunnel-Syndroms

Von Dr. Doris Simhofer

Einem Karpaltunnelsyndrom lässt sich vorbeugen, indem man am Computer Fehlhaltungen und Überlastungen der Hände vermeidet.

Foto: klaro

Gefühllosigkeit in den Fingern und von der Hand ausstrahlende Schmerzen, oft kombiniert mit Armschmerzen, die bis zur Schulter ziehen, treten typischerweise bevorzugt nachts auf. Meist sind sie Zeichen eines Problems der Halswirbelsäule, nicht selten aber Symptom eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms (KTS). Wenn auch noch häufig Gegenstände aus der Hand gleiten und das Öffnen von Flaschen schwer fällt, erhärtet sich der Verdacht eines Nerven-Engpass-Syndroms an der Handwurzel.

"Die ersten Symptome sind meist gefühllose Finger oder ein Kältegefühl. Typisch für das Karpaltunnelsyndrom ist, dass die ersten drei Finger, also vom Daumen bis zum Mittelfinger, betroffen sind, sie werden vom Medianus-Nerv versorgt", sagte Professor Axel Wanivenhaus vom AKH Wien.

Unbehandelt werden die Finger kraftlos, die Griffstärke sinkt

Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich ausgeprägte Schmerzen, die in den Unterarm gelegentlich sogar bis in die Schulter- und Nackengegend ziehen können. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich sogar die Muskelmasse des Daumens verringern. Die Folge eines unbehandelten Nervenkompressionssyndroms ist Kraftlosigkeit der Fingermuskulatur mit Abnahme der Griffstärke insbesondere des Daumens.

Die Beschwerden vergehen, wenn die Ursache der Einengung beseitigt wird. Selten sind Menschen unter 30 Jahren betroffen - die meisten sind zwischen 40 und 70. "Ein Karpaltunnelsyndrom haben vor allem Arthrose-Patienten im fünften oder sechsten Dezennium", so Wanivenhaus.

Die Auslöser sind hormonelle Ursachen, Flüssigkeitseinlagerungen durch Stoffwechselerkrankungen, knöcherne Einengungen nach Knochenbrüchen oder durch Gelenksarthrose der Handwurzel. Wanivenhaus: "Eine Überlastung des Handgelenks ist in vielen Fällen die Ursache, denn dadurch wird das Sehnengleitgewebe immer dicker. Aber auch extreme Beugungen und Streckungen können die Erkrankung begünstigen." Rheumatische Erkrankungen sind ebenso potenzielle Verursacher.

Zu Reizungen der Sehnenscheiden kann eine falsch positionierte Computer-Tastatur führen, sodass die Sehnen im Karpaltunnel anschwellen, ebenso ein falsch eingerichteter Fahrradlenker. Vorbeugen sollte man entweder durch Vermeidung dieser Überlastungen und Fehlhaltungen oder durch Stütz- und Schutzmechanismen.

Da es für ein Karpaltunnelsyndrom relativ typische Symptome gibt, kann die Erkrankung vom Arzt rasch diagnostiziert werden. "Die Beschwerden treten anfangs nachts auf und betreffen meist die ersten drei Finger, Gegenstände fallen aus der Hand. Weiterhin ermöglicht die Feststellung der deutlichen Gefühlsunterschiede und der Schmerzen im Nervenverlauf eine relativ klare Zuordnung", so Wanivenhaus.

Hilfreich zur Diagnostik ist das Hoffmann-Tinelschen Zeichen. Dabei wird beim Beklopfen des Medianus-Nervs ein Schmerz hervorgerufen. Beim Phalen-Tests kommt es zu Schmerzen und Gefühlsstörungen, wenn die Hand extrem gebeugt wird. Der Flaschentest zeigt, ob der Patient eine Flasche umfassen kann. Im Falle eines KTS kann der Daumen nicht ausreichend stabilisieren.

Bei MRT mit Handspulen wird nur die Hand dargestellt

Um auf Nummer sicher zu gehen, kann der Arzt die Nervenleitgeschwindigkeit messen. "Das ermöglicht eine Bewertung des Schweregrades", sagte Wanivenhaus. Eine MRT mit Handspulen liefert wichtige Informationen. Der Patient muss nur mit der Hand in die MRT-Spule.

Bei der Elektromyelographie wird mit einer dünnen Nadel die elektrische Energie im Muskel gemessen. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Muskelfasern. Das Verfahren ermöglicht es, den Schweregrad eines KTS zu messen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Im Frühstadium, vor allem bei überlastungsbedingten oder entzündlich hervorgerufenen Engpässen, helfen entzündungshemmende Medikamente (NSAR). Verbunden mit einer Schienenbehandlung und eventuellen Infiltration in den Karpaltunnel mit Kortikosteroid wird der Begleitentzündung entgegen gewirkt, das Gesamtvolumen reduziert und der Nerv indirekt entlastet. Gelingt es nicht, die Symptome zu bessern, sollte operiert werden.

Der Text ist in Langversion in der österreichischen "Ärzte Woche" am 4. Oktober 2007 erschienen.

STICHWORT

Karpaltunnel-Syndrom

Als Karpaltunnel bezeichnet man jene Stelle am Handgelenk, durch die hindurch die Nerven vom Unterarm zur Hand fließen. Der Medianus-Nerv am Handgelenk wird durch ständigen Druck des Umgebungsgewebes - das sind die knöcherne Handwurzel und das die Handwurzel überbrückende Band - eingeengt oder geschädigt. Durch die Drucksteigerung im abgeschlossenen Kanal wird der Nerv als "schwächstes" Gewebe zusammengedrückt. Folgen sind Daumenballenatrophie und Sensibilitätsstörungen.

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