Ärzte Zeitung online, 10.11.2008

Bremer Ärzte nähen Patienten Hand wieder an

BREMEN (dpa). Vor knapp drei Wochen zerquetschte die Tür einer Luftschleuse die rechte Hand des 37-jährigen Thomas Wedemeyer und trennte sie ab. Ein Rettungshubschrauber flog den Schwerverletzten ins Bremer Klinikum-Mitte, wo ihn Ärzte in einer 16-stündigen Operation die Hand wieder annähten.

Vor drei Wochen wurde die abgetrennte rechte Hand von Thomas Wedemeyer wieder angenäht. Inzwischen kann er schon leicht mit den Fingern wackeln.

Foto: dpa

   Um das Handgelenk von zieht sich eine breite, blutverkrustete Narbe. In seinem Handrücken stecken zwei Drähte. Sie sollen den Knochen in seinem Gelenk stabilisieren. Heute kann Wedemeyer schon wieder leicht mit den Fingern wackeln.

"Er wird sicherlich nicht mehr das Gefühl wie vorher haben, aber er wird eine funktionierende Hand haben, die beruflich und privat voll einsetzbar ist", sagte Professor Can Cedidi am Montag. Seit zwei Jahren leitet er die Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie. Fünf Hände haben er und seine Kollegen seitdem retransplantiert. In Deutschland seien es jährlich 5 bis 10, schätzt Cedidi.

Die Ärzte gehen davon aus, dass Wedemeyer in etwa sechs Wochen wieder Dinge mit der Hand greifen und sogar schreiben kann. Seine Fingerspitzen kann er noch nicht spüren - was aber völlig normal sei, beruhigen die Ärzte.

Trotzdem: "Das ist meine Hand", betont Wedemeyer. Nach der Operation war er einfach nur glücklich, dass sie überhaupt noch dran war. "Ich habe fest damit gerechnet, dass die Hand weg ist, wenn ich wieder aufwache." Als Wedemeyer seine Hand davor zum letzten Mal gesehen hatte, baumelte sie nur noch einem Hautfetzen am Handgelenk.

Der Arbeitsunfall ereignete sich am 22. Oktober

Dabei war der 22. Oktober eigentlich wieder jeder andere Arbeitstag in der Molkerei verlaufen. Kurz vor Feierabend wollte Wedemeyer noch die Luftschleuse für das Milchpulver reinigen. "Das habe ich ungefähr tausendmal schon gemacht."

Doch diesmal schloss sich dabei plötzlich die Schleuse und klemmte Wedemeyers Hand ein: "Ich stand auf der Leiter und konnte zusehen, wie die Hand immer kleiner wurde." Er schrie wie verrückt vor Schmerzen, bis ihn ein Kollege schließlich befreite. Und dann ging alles ganz schnell: Innerhalb weniger Minuten war der Rettungswagen da, kurze Zeit später der Hubschrauber.

Man hat nur eine Zeit von wenigen Stunden, um abgetrennte Gliedmaßen wieder anzunähen

"Man hat ein Zeitfenster von wenigen Stunden, um Amputationen wieder anzunähen", erklärt Cedidi. "Sonst ist der Schaden nicht mehr umkehrbar." Für die Chirurgen bedeute die Operation 14 Stunden Schwerstarbeit: Zu erst stabilisierten sie den Unterarmknochen des Patienten, dann nähten sie nach und nach zwei Arterien, 25 Sehnen, drei große Nerven und drei Venen im Gelenk zusammen. "Man ist so auf Adrenalin, man merkt die Zeit nicht", beschreibt Oberärztin Dr. Siri Hollenberg die Anspannung im OP. "Ich habe einmal für zehn Minuten eine Pause gemacht, um was zu trinken, mehr nicht."

Für den Patienten fängt dagegen die Arbeit jetzt erst an. In den nächsten Monaten wird Wedemeyer täglich zur Krankengymnastik müssen. "Das ist harte Arbeit", meint Ute Sieler. "Es ist gar nicht so einfach, die Finger wieder richtig in Bewegung zu bekommen."

Die 48-Jährige spricht aus Erfahrung: Vor einem Jahr durchtrennte eine Säge ihr linkes Handgelenk. Wedemeyer bleibt jedoch zuversichtlich: "Ich möchte so schnell wie möglich ins Leben zurückkehren, wieder arbeiten und richtig Gas geben."

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