Ärzte Zeitung online, 26.03.2009

TraumaNetzwerke verbessern die Versorgung Schwerverletzter

Marburg (eb). Entscheidend für das Überleben und die Lebensqualität eines Schwerverletzten sind die schnelle und präzise Diagnose der Verletzungen nach dem Unfall sowie deren bestmögliche Behandlung. Um dies zu gewährleisten, hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) das weltweit einzigartige Projekt TraumaNetzwerk etabliert.

In Deutschland ereignen sich jährlich rund sieben bis acht Millionen Unfälle. Dabei verletzen sich etwa 580 000 Menschen. Rund 35 000 Patienten müssen durch Notfalloperationen oder intensivmedizinisch behandelt werden.

Die Qualität der Schwerverletztenversorgung in Deutschland variiert deutlich. Ursache dafür sind unter anderem geografische Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sowie unterschiedliche Behandlungskonzepte und Ausstattungen in den Kliniken, so die Experten. "Wir möchten diese Unterschiede aufheben oder zumindest angleichen, um eine bestmögliche Behandlung nach Unfällen, auch außerhalb von Ballungszentren, zu erreichen", sagt Professor Steffen Ruchholtz aus Marburg.

Die teilnehmenden Kliniken werden deshalb bedarfsorientiert in regionale und überregionale TraumaNetzwerke eingebunden. Ziel ist es, den Schwerverletzten innerhalb von rund 30 Minuten vom Unfallort in den Behandlungsraum eines geeigneten Krankenhauses zu transportieren. Derzeit gibt es in Deutschland 59 TraumaNetzwerke mit rund 700 Kliniken.

Die Teilnehmer des Projektes müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen und sich zertifizieren lassen. Wesentliche Bestandteile des Netzwerkes sind unter anderem eine adäquate Schockraumausstattung, die Definition von Verlegungskriterien für die Frühphase der Schwerverletztenversorgung auf Basis der evidenzbasierten Leitlinien der Fachgesellschaft oder standardisierte Behandlungsabläufe. "Besonders wichtig sind uns darüber hinaus noch gemeinsame Ausbildungsprogramme, um die ärztliche Qualifizierung weiter voranzutreiben, und die Teilnahme am TraumaRegister (QM) der DGU", so Ruchholtz.

Ein solches gemeinsames Ausbildungsprogramm ist ATLS®. Die Abkürzung steht für Advanced Trauma Life Support und ist ein weltweites Ausbildungskonzept. Dieses lehrt ein standardisiertes, prioritätenorientiertes Schockraum-Management von Traumapatienten. Über allem steht der Gedanke, Sekundärschäden wie eine lebenslange Behinderung oder Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden. Zudem gilt es, die Zeit nicht aus den Augen zu verlieren und eine gleichbleibende Qualität der Versorgung zu sichern. Der Kurs vermittelt hierzu systematisches Wissen, Techniken, Fertigkeiten und Verhalten in Diagnostik und Therapie. Die Kurse richten sich an alle Fachrichtungen, die an der Traumaversorgung im Schockraum beteiligt sind.

Weitere Informationen:

Homepage des TraumaNetzwerks der DGU

Traumaregister der DGU

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