Ärzte Zeitung, 18.05.2009

Schwachpunkt im Frauenfußball ist das Knie, Aufwärmprogramme bieten Schutz

Kreuzbandrupturen sind bei Sportlerinnen zwei- bis zehnmal häufiger als bei Sportlern. Grund: eine andere Knieachse und eine geringere Gelenkstabilität. Mit Übungen lässt sich das Verletzungsrisiko senken.

Von Thomas Meißner

Bei Rotationen des Knies ist die Gelenkstabilität bei Frauen vermindert.

Foto: dpa

Sport treibende Frauen sind offenbar stärker gefährdet als Männer, sich schwerwiegende Knie- und Sprunggelenksverletzungen zuzuziehen. Ein Paradebeispiel ist der derzeit boomende Frauenfußball.

Zwar unterscheide sich die Zahl der Verletzungen pro Geschlecht nur wenig, berichtete Professor Frank Mayer vom Zentrum für Sportmedizin an der Universität Potsdam beim OrthoTrauma Update in Wiesbaden. Dafür seien bei Frauen schwere Verletzungen wie Rupturen des vorderen Kreuzbandes (ACL) deutlich häufiger. In den USA soll es bei Frauen zwei- bis zehnmal häufiger zu vorderen Kreuzbandrupturen kommen als bei Männern.

Bedeutsam für die ACL-Verletzungsgefahr seien die Knieachse, vor allem Knievalgus und Rotation, und die dynamische Gelenkstabilität. Kreuzbänder von Frauen seien schmaler und würden weniger Last absorbieren als die von Männern. Auch sei bei Translations- und Rotationsbewegungen des Knies unter Belastung die Gelenkstabilität bei Frauen vermindert. Außerdem haben Frauen nach neuen Erkenntnissen andere Landungsstrategien in Valgusstellung und Innenrotation bei geringerer Hüft- und Knieflexion, eine geringere Kraft der Ischiokruralmuskulatur sowie andere Beinachsen als Männer. Zudem werde über die Östrogenrezeptoren im ACL die Kollagensynthese vermindert.

Die Medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees möchte nun die Verletzungsmechanismen aufklären und Präventionsprogramme etablieren. In mehreren großen Studien wurde geprüft, wie sich die Verletzungsraten senken lassen.

So haben norwegische Sportmediziner ein Trainingsprogramm ("die Elf") bei 2000 Fußballerinnen zwischen 13 und 17 Jahren erprobt. In der ersten Version des Programms wurden keine Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppen registriert. Ursache war offensichtlich die mangelnde Compliance in der Interventionsgruppe.

Sind Trainer instruiert, ist auch die Compliance besser.

Um Complianceprobleme zu vermeiden, instruierte eine andere norwegische Arbeitsgruppe in ihrer Studie die Trainer in theoretischen und praktischen Kursen und setzte Übungsbücher, -karten, -poster und eine DVD ein. Die knapp 1900 Fußballerinnen sollten das 20-minütige Aufwärmprogramm vor jeder Trainingseinheit sowie die Laufanteile vor jedem Match absolvieren.

Tatsächlich verringerte sich die Zahl unterer Extremitätenverletzungen innerhalb von acht Monaten von 143 in der Kontrollgruppe auf 121 in der Interventionsgruppe (BMJ 337, 2008, a2469). Ausrüstungen wie Wackelbretter, Minitrampolins oder Weichschaummatten und organisatorische Details erschweren es, solche Präventivmaßnahmen in der Praxis umzusetzen.

Einfach und ohne Hilfsmittel auszuführen ist das aus den USA stammende Aufwärmprogramm PEP (Prevent Injuries and Enhance Performance). Damit sank bei weiblichen College-Fußballteams die ACL-Verletzungsrate während der Saison signifikant von 18 ACL-Rupturen auf 7 in der Interventionsgruppe. Beteiligt waren mehr als 1400 Athletinnen (Am J Sports Med 36, 2008, 1476). Zu dem 30-minütigen Programm gehörten Kräftigungsübungen, Stretching, sportartspezifische Laufwege und Richtungswechsel sowie plyometrische Trainingsanteile (Reaktivkraftübungen).

Die Bedeutung der Rumpfstabilität, sensomotorischer Einflüsse und anderem ist noch nicht abschließend erforscht. Auch ist noch ungeklärt, wie etwa die Trainingdauer, Wiederholungen, Pausen für maximale Prävention gestaltet werden müssen.

Verletzungsmechanismen bei ACL-Rupturen

Zwei von drei Rupturen des vorderen Kreuzbandes (ACL) finden ohne vorherigen Körperkontakt statt.

Dabei sind im Wesentlichen zwei Mechanismen für die Ruptur verantwortlich, bei denen Sportärzte und Trainer präventiv ansetzen möchten:

  • Stopps, Richtungswechsel und Landungen bei stehendem Fuß und nahezu gestrecktem Knie
  • Sturz nach hinten bei gebeugtem Kniegelenk (ner)

Quelle: Professor Frank Mayer, Uni Potsdam

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