Ärzte Zeitung online, 23.04.2010

Spanische Ärzte melden weltweit erste komplette Gesichtstransplantation

BARCELONA (dpa). Spanische Ärzte haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals ein vollständiges Gesicht verpflanzt. 30 Mediziner verhalfen im Krankenhaus Vall d'Hebron in Barcelona einem jungen Mann in einem 22-stündigen Eingriff zu einem neuen Antlitz.

Spanische Ärzte melden weltweit erste komplette Gesichtstransplantation

Computer-generierte Ansicht der Anatomie des Patienten vor der Gesichtstransplantation im Vall d'Hebron Hospital in Barcelona. © dpa

Wie der Leiter des Ärzteteams, Professor Joan Pere Barret, mitteilte, war das Gesicht des Patienten durch eine Verletzung bei einem Unfall so sehr entstellt, dass er kaum atmen, schlucken und sprechen konnte.

Die Transplantation sei am 20. März erfolgt und erfolgreich verlaufen. "Wir hoffen, dass der Patient in einigen Wochen anfangen kann, zu sprechen und zu essen und vielleicht auch zu lächeln", sagte der Mediziner. Nach Angaben des Chirurgen waren bis dahin in verschiedenen Ländern der Welt zehn Gesichtstransplantationen erfolgt, bei denen aber jeweils nur Teile des Antlitzes verpflanzt worden waren.

Bei der Operation in Barcelona seien nicht nur die Haut und Muskeln des Gesichts verpflanzt worden, sondern auch die Nase, die Lippen, der Oberkiefer, die Zähne, der Gaumen, die Wangenknochen und das Kinn, sagte Barret. "Der Patient hat sich im Spiegel gesehen und mit Zeichen zu verstehen gegeben, dass er mit dem Resultat der Transplantation sehr zufrieden ist."

Der junge Mann sehe dem Spender keineswegs ähnlich. Das verpflanzte Gesicht sei den Formen des Schädels und des ursprünglichen Antlitzes des Empfängers angepasst worden. "Der Patient wird nicht mit dem Gesicht eines Anderen durch die Straßen laufen", betonte der Chirurg. Der Mediziner machte keine näheren Angaben über die Identität des Spenders und des Empfängers.

Barret sprach sich dafür aus, Gesichtstransplantationen nur in äußersten Notfällen vorzunehmen, wenn lebenswichtige Körperfunktionen betroffen seien. In keinem Fall sollte ein Gesicht aus Gründen der Ästhetik verpflanzt werden. Der Patient habe nun noch eine harte Phase der Rehabilitation vor sich. Danach werde er voraussichtlich beinahe wieder ein Leben führen wie vor dem Unfall. Vor dem Eingriff sei er von Psychologen auf seine Eignung untersucht worden.

Die weltweit erste Empfängerin eines neuen Gesichts war die Französin Isabelle Dinoire im Jahr 2005. Bei der Operation erhielt sie das Unterteil des Gesichtes - ein Dreieck aus Nase, Mund und Kinnpartie - von einer hirntoten Organspenderin. Zehn Monate nach der Operation konnte Dinoire ihre Lippen ganz schließen, nach 18 Monaten wieder normal lächeln. In Spanien hatten Ärzte erstmals 2009 Gesichtsteile transplantiert.

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