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Ärzte Zeitung online, 22.02.2011

Dehnen vor dem Joggen: Kein Schutzbrief gegen Verletzungen

SAN DIEGO (ob). Beim Thema Dehnen - neuhochdeutsch: Stretchen - sind die Meinungen geteilt: Die einen schwören darauf, die anderen halten es für wirkungslos. Eine neue Studie scheint jetzt den Skeptikern Recht zu geben: Ihre Ergebnisse sprechen dagegen, dass Dehnübungen vor dem Joggen Verletzungen vorbeugen.

Dehnen vor dem Joggen: Kein Schutzbrief gegen Verletzungen

Dehnen verringert nicht das Verletzungsrisiko, aber wer das bislang gemacht hat, sollte nicht darauf verzichten.

© ArtmannWitte / fotolia.com

Ist bei sportlicher Ausdauerbelastung wie beim Joggen ein gezieltes Stretching zu empfehlen? Dazu kursieren unterschiedliche Doktrinen. Die einen halten Dehnen als Aufwärmtraining vor dem Laufen, die anderen als Maßnahme zur Muskelregeneration nach getanem Sport für besonders wichtig, wieder andere sehen beides als völlig überflüssig an.

Darüber lässt sich trefflich streiten, solange nicht die Forschung mit wissenschaftlichen Fakten Belege für die eine oder andere Position erbringt.

Dieser Aufgabe ist eine sportmediziniche Forschergruppe um Dr. Daniel Pereles aus Potomac jetzt in einer prospektiven randomisierten Studie nachgekommen. Ihre Ergebnisse sind beim Kongress der US-Fachgesellschaft der orthopädischen Chirurgen in San Diego (Abstract 648) vorgestellt worden.

Die Gruppe hat für diese Studie 2 729 passionierte Jogger aufgetrieben, die pro Woche im Schnitt 20 Meilen liefen. Sie sind randomisiert zwei Gruppen zugeteilt worden: Die Läufer in der einen Gruppe verzichteten drei Monate lang auf jegliche Dehnübungen, während die Teilnehmer in der anderen Gruppe vor jedem Lauf drei bis fünf Minuten lang ein festgelegtes Stretching-Programm absolvierten.

Die Bilanz nach drei Monaten: In beiden Gruppen waren die Raten aller aufgetretenen Verletzung mit je 16 Prozent deckungsgleich. Zumindest bei Verletzungen wie Knie- oder Knöchel-Läsionen, die eine professionelle medizinische Abklärung erforderten (52 Prozent), gab es aber eine signifikante Abnahme um 40 in der Gruppe mit Dehnübungen.

Auch schien eine vom Studienprotokoll diktierte Veränderung der bisher gepflegten Gewohnheiten das Verletzungsrisiko erhöht zu haben: Läufer etwa, die bisher nicht gedehnt hatten, es in der Stretching-Gruppe dann aber tun mussten, erwiesen sich als verletzungsanfälliger als Läufer, die auch schon vorher "Dehner" waren (22,3 versus 15,6 Prozent).

Gleiches gilt für Läufer, die zuvor routinemäßig Dehnübungen praktizierten hatten, dann aber in der Studie darauf verzichten mussten (16,2 versus 11,8 Prozent).

Fazit: Dehnen verringert nicht das Verletzungsrisiko. Ob man deshalb darauf verzichten soll, ist eine andere Frage. Beiden Seiten liefert die Studie argumentative Hilfe. Wer bisher nicht gedehnt hat, sollte besser nicht damit anfangen - sonst steigt ja sein Verletzungsrisiko. Wer schon immer gedehnt hat, sollte besser nicht damit aufhöhren - auch sein Verletzungsrisiko würde sich sonst erhöhen.

[22.02.2011, 13:30:32]
Dr. Horst Grünwoldt 
"Stretching" und "Jogging"
Wer jemals Leistungssport -insbesondere Leichtathletik- betrieben hat, weiß, daß physiologisch und biomechanisch zuerst immer das Aufwärmtraining stattfindet. Bei Läufern insbesondere, aber auch fast allen anderen Sportarten, wird der gesamte Körper am besten durch einen leichten "Zockeltrab" (neudeutsch: Joggen) auf die nötige Durchblutung aller Organe und Gewebe gebracht, um diese auf Leistungsbereitschaft einzustellen. Sobald dies erreicht ist, empfiehlt sich auch den muskulo-skelettalen Apparat durch Dehnübungen vor Verspannungen zu lockern. Das ist natürlich ganz besonders wichtig vor explosiven Schnellkraft-Leistungen wie Sprints oder Sprüngen und dient natürlich auch der Vermeidung von Verletzungen, insbesondere Muskelfaserrissen und Sehnenzerrungen sowie Knochenhautreizungen. Beim "Joggen" erübrigt sich demgemäß die Frage, ob man präventiv "strecht´scht" oder dies nur als Pausengymnastik und Ausgleichsübung ansieht. Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »
[22.02.2011, 10:24:54]
Dr. Uwe Hoffmeister 
zu einseitige Sichtweise
Sport verbessert unsere Lebensqualität. Da kann man die Dehnübungen nicht nur auf das Verletzungsrisiko reduzieren. Einseitig belastete Muskulatur neigt zur Verkürzung und midert dadurch die Beweglichkeit. Und größere Beweglichkeit ist auch mehr Lebensqualität.
Außerdem war die Studie mit 3 Monaten zu kurz. Die negativen Auswirkungen einer einseitigen Belastung kommen erst später. zum Beitrag »

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