Ärzte Zeitung online, 06.08.2011

Seckel-Syndrom: Forscher enträtseln Gendefekt bei extrem Kleinwüchsigen

LEIPZIG (dpa). Ein internationales Forscherteam hat die Ursachen für den Gendefekt bei einer äußerst seltenen Erbkrankheit enträtselt. Es handle sich um das Seckel-Syndrom - eine besonders ausgeprägte Form der Kleinwüchsigkeit.

Weltweit sind nach Angaben der Universität Leipzig nur etwa 25 Erkrankte bekannt. Sie werden meist nicht größer als einen Meter, viele von ihnen sind mehrfach behindert.

In Deutschland leben zwei Patienten mit Seckel-Syndrom

Der Direktor der Universitätsklinik für Frauen- und Kindermedizin Leipzig, Professor Wieland Kiess, betreut den Angaben zufolge die beiden einzigen in Deutschland mit dem Seckel-Syndrom lebenden Patienten und beteiligte sich an den Forschungen.

Wie die Wissenschaftler herausfanden, bewirkt das defekte Gen, dass bei der Zellteilung die Reparatur der Erbbotschaft gestört wird (Nature Genetics 2011, 43:23-26).

Während der Zellteilung gehe ständig DNA kaputt, erläuterte Kiess. In der Regel funktionierten die biochemischen Reparaturmechanismen einwandfrei.

Beim Seckel-Syndrom werde dieser komplexe Prozess gestört. Die zentrale Eingreiftruppe sei, so der Experte, bildlich gesprochen an sich schon falsch ausgerichtet.

Nach wie vor keine Therapie in Aussicht

Obwohl die Ursachen nun bekannt sind, kann den Patienten laut Kiess nicht geholfen werden. Die Auswirkungen des Gendefekts seien nicht zu beheben. Es bestehe keine Aussicht auf Therapie für die wenigen Betroffenen.

Die Krankheit wird auch Vogelkopf-Zwergwuchs genannt, weil die Betroffenen einen sehr kleinen Kopf und eine auffällige Hakennase haben. Der kleine Kopfwuchs bewirkt, dass sich das Gehirn nicht richtig entwickeln kann (Mikrozephalie). Die Betroffenen benötigen ein Leben lang Hilfe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »