Ärzte Zeitung online, 07.01.2013

Blutgase

Venenpunktion ersetzt nicht den Arterienstich

Die Schwere von Verletzungen und die Wirksamkeit einer Wiederbelebung lassen sich über die Blutgase abschätzen. Doch die venöse Bestimmung ist nicht verlässlich.

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Ist das wirklich die Arterie?

© Dream-Emotion / fotolia.com

IRVINE/KALIFORNIEN. Den Blutgasstatus von Patienten nach akuten Traumata an venösen Blutproben bestimmen zu können, das wäre zu schön. Ist es auch: zu schön, um tauglich zu sein.

Die Blutgase geben wertvolle Informationen, wenn Patienten sich in kritischem Zustand befinden. So lässt sich etwa die Schwere von Verletzungen aus dem Basendefizit abschätzen. Werte unter -4 sprechen für erhebliche Hypoperfusion von Gewebe und die Freisetzung von Milchsäure, was zur metabolischen Azidose führen kann.

Hier ist umgehend und rigoros mit der Intensivtherapie zu beginnen. Auch die Wirksamkeit einer Wiederbelebung lässt sich über die Blutgase abschätzen. Um eine geeignete Probe zu gewinnen, ist es allerdings nötig, eine Arterie zu punktieren.

An venöses Blut gelangt man leichter, außerdem muss bei Patienten nach schweren Traumata ohnehin ein venöser Zugang gelegt werden. Es wäre daher mehr als praktisch, wenn in solchen Fällen aus den venösen auf die arteriellen Blutgase zu schließen wäre.

Einige Studien bei anderen Krankheitsbildern zeigten hohe Korrelationskoeffizienten im Vergleich mit arteriellen Blutproben. Doch in Untersuchungen mit maschinell beatmeten Patienten war festzustellen, dass die venöse Blutgasbestimmung die arterielle Analyse nicht ersetzen kann.

Ordentliche Schwankungen

Wie sich die Lage in der Akutversorgung verletzter Patienten darstellt, ist bisher nicht erforscht worden. US-Notfallmediziner von der University of California in Irvine haben dies nun nachgeholt (Am J Emerg Med 2012; 30: 1371-7).

Sie entnahmen venöse und arterielle Blutproben von 346 Traumapatienten und verglichen deren Blutgasstatus. Dabei zeigte sich, wie schon in früheren Studien, eine hohe Korrelation der Werte mit Koeffizienten von 0,7 für den pH-Wert und 0,75 für das Basendefizit.

Was für die Mittelwerte ein gutes Ergebnis darstellte, ließ sich aber an den einzelnen Patienten nicht ausreichend bestätigen. Nur bei etwa 70 bis 80% erwiesen sich die venös-arteriell gepaarten Proben als klinisch äquivalent.

Die Intervalle, innerhalb deren 95% der aus den venösen Proben abgeleiteten Werte von den tatsächlich arteriell gemessenen abwichen, reichten beim pH von -0,10 bis +0,11, beim Basendefizit von -4,4 bis +3,9. Das übertrifft die Spanne der Normbereiche etwa um das Doppelte.

Das ist inakzeptabel, wie die US-Forscher konstatieren. Ihr Fazit: "Wenn ein genauer Säure-Basen-Status erforderlich ist, sollten bei akut traumatisierten Patienten die Blutgase aus arteriellen Proben bestimmt werden." (rb)

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