Dienstag, 2. September 2014
Ärzte Zeitung, 29.01.2013

Tibiaschaftfraktur

Mit Gips auftreten - für Kinder kein Problem

Nach konservativer Versorgung einer Tibiaschaftfraktur können Kinder das gegipste Bein problemlos früh belasten. Die Gefahr einer Beinverkürzung oder Dislokation ist offenbar gering.

Von Elke Oberhofer

LOS ANGELES. Geschlossene Tibiaschaftfrakturen bei Kindern werden in der Regel mit einem Oberschenkelgips versorgt.

Dabei bevorzugen viele Orthopäden eine Beugestellung des Kniegelenks in einem Winkel von 30 - 60°, um zu verhindern, dass die Kinder das gebrochene Bein belasten.

Dies muss offenbar gar nicht sein: In einer US-Studie erzielten kalifornische Fachärzte mindestens ebenso gute Ergebnisse, wenn sie das Bein mit einem Beugewinkel im Knie von 10° eingipsten und den Patienten ausdrücklich erlaubten aufzutreten (J Bone Joint Surg Am 2012; 94: 1853-1860).

Weder verzögerte sich dadurch die Heilung noch erhöhte sich das Risiko einer Achsabweichung.

Die US-Forscher hatten 81 Kinder mit geschlossenen Tibiaschaftfrakturen zwei Gruppen zugelost: Gruppe A erhielt einen Oberschenkelgips, in dem das Knie um 60° abgewinkelt war; die Patienten wurden angehalten, das Bein vier Wochen lang nicht zu belasten.

Die Beine der Patienten aus Gruppe B wurden mit nur leicht abgewinkeltem Knie eingegipst. Gleich beim Verlassen der Klinik durften diese Kinder mit ihrem Gipsbein auftreten, sofern sich dies mit den Schmerzen vereinbaren ließ.

Die Heilung nahm in beiden Gruppen gleich viel Zeit in Anspruch: Nach jeweils knapp elf Wochen im Schnitt war der Bruch - im Röntgenbild sichtbar - zusammengewachsen.

Befürchtungen, das frühe Belasten könne zu Frakturverschiebungen oder einer Verkürzung des betroffenen Beins führen, bestätigten sich nicht.

Zum Zeitpunkt der Heilung waren die Achsabweichungen in beiden Studiengruppen minimal, sie betrugen frontal durchschnittlich 1,3° in Gruppe A und 1,2° in Gruppe B, sagittal wurde ein Winkel von 1° in Gruppe A und von 0,6° in Gruppe B gemessen.

Das geheilte Bein war im Durchschnitt um 0,1 mm bei Kindern in Gruppe A und um 0,5 mm bei den Patienten in Gruppe B verkürzt, dieser Unterschied war nicht signifikant.

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