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Ärzte Zeitung, 10.12.2015

Ultraschall

Nutzlos bei Achillessehnenleiden?

Tendopathien der Achillessehne lassen sich per Ultraschall beurteilen. Das Ausmaß der strukturellen Veränderungen korreliert aber weder mit der Klinik noch mit der Prognose des Sehnenleidens.

Nutzlos bei Achillessehnenleiden?

Ultraschall bei Tendopathie der Achillessehne: Forscher zweifeln den diagnostischen Mehrwert an.

© Klaus Rose

ROTTERDAM. Degenerative Schäden der Achillessehne stellen sich im Ultraschall als echoarme Bereiche dar. Durch die computergestützte ultrasonografische Gewebecharakterisierung (UTC) können die Veränderungen zuverlässig quantifiziert werden. Ob daraus ein diagnostischer Mehrwert erwächst, ist allerdings zweifelhaft.

In einer Studie aus den Niederlanden kam es bei Patienten mit Tendopathie der Achillessehne zwar zu einer Normalisierung der Sehnenstruktur. Die Besserung der Beschwerden verlief jedoch unabhängig von der per UTC erfassten strukturellen Wiederherstellung (Am J Sports Med 2015; online 13. Oktober).

Die Untersuchung war Teil einer randomisierten Studie, in der symptomatische Patienten mit Tendopathie im mittleren Abschnitt der Achillessehne außer exzentrischem Training entweder plättchenreiches Plasma (PRP) oder ein Placebo erhielten und ein Jahr lang nachbeobachtet wurden.

Welcher Behandlung die 54 Studienteilnehmer zugeteilt waren, hatte auf die Symptomatik keine Auswirkung: Der VISA-A-Score (Victorian Institute of Sports Assessment-Achilles) besserte sich in beiden Gruppen gleichermaßen, und zwar linear mit der Zeit.

Signifikante Verbesserung bei Beurteilung der Sehnenintegrität

Die Beurteilung der Sehnenintegrität per UTC zeigte ebenfalls eine signifikante Verbesserung. Der Anteil an Typ-1- und Typ-2-Echos - sie repräsentieren mehr (Typ 1) oder weniger (Typ 2) parallel ausgerichtete Sehnenfaserbündel - erhöhte sich von 74,6 Prozent zu Beginn auf 85,6 Prozent nach 24 Wochen. Letzteres entsprach dem Anteil an Typ-1- und -2-Echos in einer Kontrollgruppe von Gesunden.

Anders als die Symptomatik hatte sich der UTC-Befund bei den Tendopathiepatienten zwischen den Wochen sechs und zwölf und nach Woche 24 jedoch nicht verbessert.

Insgesamt fand sich keinerlei signifikante Assoziation zwischen den Echo-Typen und dem VISA-A-Score oder dessen Subscores Schmerz, Funktion und Aktivität. Der Anteil von Typ-1- und -2-Echos zu Studienbeginn stand außerdem nicht in Zusammenhang mit dem Beschwerdebild bei Studienende.

Die Studienautoren um Suzan de Jonge von der Universität Rotterdam halten es daher für "fraglich", ob der Ultraschall bei der Beurteilung von Tendopathien im mittleren Drittel der Achillessehne irgendeinen Zusatznutzen hat. "Die Diagnose kann rein klinisch gestellt werden."

Prognose schwierig

Auch über die Prognose sage die Sonografie wenig aus: "Eine symptomatische Achillessehne mit starken strukturellen Auffälligkeiten kann zum selben klinischen Ergebnis führen wie eine Sehne mit nur leichten sonografischen Veränderungen."

Dass das Ausmaß von Strukturveränderungen sich nicht mit dem Beschwerdebild decken muss, ist nichts Neues: Auch bei Kniearthrosepatienten erlaubt die Reduktion des Gelenkspalts keinen Rückschluss auf die Schmerzsymptomatik.

Für Sehnenleiden wurde eine solche Diskrepanz in kleineren Untersuchungen ebenfalls schon beschrieben.

Es gibt allerdings auch zwei Studien, wonach schlechtere Ultraschallbefunde einem schlechteren klinischen Bild entsprechen, wie de Jonge und ihre Kollegen berichten. Das Ergebnis ihrer Studie müsse daher noch in größeren Studien reproduziert werden. (BS)

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