Ärzte Zeitung, 16.11.2015

Skelett- und Weichteilerkrankungen

Dauer-Antibiose nach Revisions-Op

Nach chirurgischer Behandlung einer periprothetischen Gelenkinfektion könnte eine Langzeittherapie mit oralen Antibiotika von Nutzen sein.

CLEVELAND. Nach einem infektionsbedingten Revisionseingriff an endoprothetisch versorgten Knie- oder Hüftgelenken lässt sich das Risiko einer erneuten Infektion und der Notwendigkeit eines Prothesenwechsels deutlich senken, wenn die Patienten mindestens sechs Monate lang eine gezielte orale Antibiotikatherapie erhalten. Darauf deuten nun retrospektiv erhobene Daten der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Ohio hin.

Daten von 625 Patienten analysiert

Von der Langzeitbehandlung mit Antibiotika profitieren demnach vor allem Patienten, bei denen die Operation prothesenerhaltend durchgeführt wird oder die mit Staphylococcus aureus infiziert sind.

Orthopäden um Marcelo B. P. Siqueira haben die Krankenakten von 625 Patienten analysiert, die nach der Revisions-Operation für mindestens sechs und längstens 165 Monate ein spezifisches orales Antibiotikum bekommen hatten (J Bone Joint Surg Am 2015; 97: 1220-1232).

Drei Viertel von ihnen hatten eine Knie-, die übrigen eine Hüftendoprothese; die Indexoperation war bei fast 60 Prozent prothesenerhaltend, in den übrigen Fällen war ein zweizeitiger Wechsel vorgenommen worden.

Vorteil bei Dauerantibiose

Fünf Jahre nach der Indexoperation hatten 68,5 Prozent der Patienten weder einen Prothesenwechsel benötigt noch eine weitere Infektion durchgemacht. In der Kontrollgruppe lag die Fünf-Jahres-Quote für das infektionsfreie Prothesenüberleben dagegen nur bei 41,1 Prozent (p = 0,008). Die Kontrollgruppe bestand aus jeweils drei vergleichbaren Patienten, die nach der Operation nur die übliche sechswöchige intravenöse Antibiotikatherapie erhalten hatten.

Der Nutzen der langfristigen Antibiotikatherapie beschränkte sich in der Studie allerdings auf Patienten, bei denen die operative Behandlung nur Débridement und Lavage mit Austausch der Polyethylenteile beinhaltet hatte. Der infektionsfreie Prothesenerhalt nach fünf Jahren erreichte bei ihnen 64,7 Prozent - gegenüber 30,4 Prozent in der Kontrollgruppe (p < 0,0001).

Orale Antibiotika bringen in dieser Situation wahrscheinlich deshalb einen Vorteil, weil der Prothesenerhalt die Persistenz von latenten Infektionen begünstigt. Nach einem Prothesenwechsel hatte die Antibiotikaeinnahme dagegen keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf.

Darüber hinaus war die Wirksamkeit der langfristigen Antibiotikatherapie abhängig vom Keimspektrum im infizierten Gelenk: Bei Infektionen mit Staphylococcus aureus lag das infektionsfreie Fünf-Jahres- Überleben der Prothese bei 57,4 Prozent mit Langzeitantibiose und bei 40,1 Prozent ohne orale Antibiotika (p = 0,047). Bei Infektionen ohne Staphylococcus aureus war die Dauerantibiose nutzlos, wie die US-Wissenschaftler berichten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »