Ärzte Zeitung, 18.01.2016

Risiko Sarkopenie

Sport in der Rush-Hour des Lebens zahlt sich aus

Wenn in der Blüte des Lebens viele Entscheidungen im Job oder der Beziehung anstehen, bleibt manchmal nur wenig Zeit für Sport. Dabei lohnt es sich, am Ball zu bleiben - vor allem für Männer.

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Sport in jungen Jahren zahlt sich aus - vor allem für Männer.

© Boggy / fotolia.com

BERLIN. Ältere Männer, die seit dem jungen Erwachsenenalter regelmäßig Sport treiben, haben im Vergleich zu weniger aktiven Altersgenossen ein deutlich geringeres Risiko, an Sarkopenie zu erkranken.

Das ist ein Ergebnis der Berliner Altersstudie II (BASE II), an der Forschende der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) und der Charité Universitätsmedizin Berlin beteiligt sind (J Gerontol A Biol Sci Med Sci 2015; online 5. Oktober ).

Um herauszufinden, inwieweit sportliche Aktivität in unterschiedlichen Lebensphasen das Risiko einer Sarkopenie senken kann, untersuchten die Forscher 891 Männer und Frauen im Alter von 60 bis 85 Jahren und befragten sie zusätzlich mit Hilfe eines Fragebogens aus dem Katalog der SOEP-Langzeitbefragung.

Kontinuität ist wichtig

Die Männer, die bereits mit unter 30 Jahren begonnen hatten, Sport zu treiben und bis heute sportlich aktiv sind, hatten im Vergleich zu Männern, die niemals im Leben aktiv Sport getrieben haben, einen deutlich höheren Anteil an Muskelmasse, teilt das Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) in Berlin zur Veröffentlichung der Studie mit.

Damit sei auch ihr Risiko, an Muskelschwund zu erkranken, nur halb so hoch gewesen.

Eine kurzfristige sportliche Betätigung allein dagegen zeige keine derartige Wirkung, erklären die Wissenschaftler um Peter Eibich von der Charité Universitätsmedizin Berlin, der heute in Oxford lehrt. Nur als junger Mann Sport zu treiben oder erst als Senior damit zu beginnen, reiche nicht aus, um das Risiko einer Sarkopenie zu verringern.

Bei den Männern, die nur in jungen Jahren oder erst kurz vor der Untersuchung trainiert hatten, zeigte sich im Vergleich zu Männern, die nie Sport getrieben haben, kein messbarer Effekt auf die Muskelmasse. Auch beim Greifkrafttest, der über die Muskelkraft und den allgemeinen Gesundheitszustand Auskunft gibt, schnitten sie nicht besser ab als Untrainierte, heißt es in der Pressemitteilung.

Weit verbreitete Annahme widerlegt

Damit widerlege die Studie die unter vielen Menschen verbreitete Annahme, es genüge, in jungen Jahren Sport zu treiben, um auch im Alter noch fit zu sein - zumindest bei den Männern. Denn bei Frauen konnten die Forscher keine signifikante Veränderung der Muskelmasse feststellen, unabhängig davon, in welchem Lebensalter und wie kontinuierlich sie Sport getrieben hatten.

Möglicherweise trainieren viele Frauen nicht intensiv genug, um ausreichend Muskeln aufzubauen, so die Vermutung der Wissenschaftler laut Pressemitteilung.

Sie fordern daher mehr Gesundheitsprogramme, die vor allem junge Erwachsene motivieren, kontinuierlich Sport zu treiben. Gerade in dieser Lebensphase, der sogenannten Rush Hour des Lebens, hörten viele Männer und Frauen auf, Sport zu treiben, da eine Ballung von Entscheidungen zu Beruf, Partnerwahl und Kindern dafür wenig Zeit lasse.

Stichwort BASE II

In der Studie des SOEP, eine große, multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland, werden seit 1984 jedes Jahr in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten.

Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen analysiert werden.

In der BASE-II-Studie analysieren Wissenschaftler, inwieweit körperliche, geistige und soziale Bedingungen zu einem möglichst erfolgreichen Altern beitragen können. Die Teilnehmer werden jedes Jahr befragt und stellen Informationen zu ihrer Lebenssituation und ihren Lebensbedingungen zur Verfügung.

Insgesamt wurden in der Studie bislang 2200 Berlinerinnen und Berliner untersucht, davon sind 1600 zwischen 60 und 80 Jahren alt. (eb)

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