Ärzte Zeitung, 22.03.2004

Orthese läßt bei Osteoporose wieder besser durchatmen

Effekt von Gurtsystem in kontrollierter Studie überprüft

HAMBURG (grue). Eine Orthese mit formbarer Rückenschiene hilft Frauen mit Osteoporose und Rundrücken. In einer kontrollierten Studie verbesserte das Gurtsystem die Rumpfmuskelkraft und reduzierte die Kyphose.

Rückenpelotte und Gurtsystem der Orthese lassen sich individuell anpassen. Foto: medi Bayreuth

Die vom Unternehmen medi Bayreuth zusammen mit dem Institut für klinische Osteologie in Bad Pyrmont entwickelte Orthese Spinomed® wiegt 450 Gramm. Sie besteht aus einer verformbaren Rückenpelotte und einem Gurtsystem mit Klettverschlüssen. Die nach hinten ziehenden Schultergurte trainieren die Rumpfmuskeln, die Schiene im Rücken stabilisiert die Wirbelsäule.

Starre Korsette führen zu Muskelatrophie, und sie schränken die Atmung ein. Die neue Orthese läßt dagegen relativ viel Bewegungsfreiheit, wie Dr. Michael Pfeifer aus Bad Pyrmont auf einer Veranstaltung des Bayreuther Unternehmens in Hamburg gesagt hat.

Das bestätigt auch eine kontrollierte Studie, an der 62 Frauen mit postmenopausaler Osteoporose und im Mittel zwei Wirbelkörperfrakturen teilgenommen haben. Alle Frauen erhielten eine Osteoporose-Behandlung mit Kalzium, Vitamin D und einem Bisphosphonat, die Hälfte trugen zusätzlich für sechs Monate täglich mindestens zwei Stunden lang die Orthese.

Wie Pfeifer berichtete, verbesserte sich in der Orthese-Gruppe die Rückenmuskelkraft um 73 Prozent, und der Kyphosewinkel nahm um elf Prozent ab. Diese Frauen hatten nach einem halben Jahr eine signifikant bessere Lungenfunktion, standen sicherer und hatten weniger Rückenschmerzen. In der Kontrollgruppe gab es keine Veränderungen.

"Mit der nach dem Biofeedback-Prinzip arbeitenden Orthese könnten Sturzgefahr und Frakturrisiko vermindert werden", so Pfeifer. Die Studie sei aber zu klein, um das zu belegen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »