Ärzte Zeitung, 08.06.2004

Nach Fraktur sollten alle Rehamaßnahmen genutzt werden

Bei Osteoporose-Patienten ist die Langzeitprognose nach einer Operation noch dürftig / Medikamentöse Prophylaxe schützt vor neuen Brüchen

FRANKFURT AM MAIN (hae). Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 100 000 Schenkelhalsfrakturen, oft in Folge einer Osteoporose. Trotz erfolgreicher Operation im Akutkrankenhaus verschlechtern sich sowohl die Fähigkeit, im Alltag zurechtzukommen, als auch die Lebensqualität der Patienten binnen eines Jahres deutlich.

Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen eines Schenkelhalsbruches mit einer Gammanagelung. Foto: klaro

Diese Zwischenergebnisse einer prospektiven Studie der Ärztekammer Westfalen-Lippe hat Professor Rüdiger Smektala vom Knappschaftskrankenhaus der Universitätsklinik Bochum in Frankfurt vorgestellt. Untersucht wurden 107 Patienten, zu drei Viertel Frauen, mit einer Femur-Fraktur nach einem Sturz.

Jeder vierte Patient war in den vier Wochen vor dem Unfall schon einmal gestürtzt, über die Hälfte hatten zwei Wochen zuvor noch den Hausarzt aufgesucht. Nur bei 14 Prozent sei dabei allerdings eine Osteoporose in Betracht gezogen worden, so Smektala.

Operative Komplikationen waren bei den im Mittel 79 Jahre alten Patienten mit unter zehn Prozent selten. Bei Entlassung aus der Klinik waren etwa 75 Prozent der Patienten mit Gehstütze oder Rollator mobil, nur zwölf Prozent benötigten keinerlei Hilfsmittel, wie Smektala bei der Veranstaltung des Unternehmens MSD berichtet hat.

Die Lebensqualität und die Fähigkeit, im Alltag zurecht zu kommen, hatten sowohl sechs als auch zwölf Monate nach der Akutbehandlung deutlich abgenommen. Zu einer deutlichen Verbesserung des funktionellen Ergebnisses kann es nach Auffassung von Smektala nur "durch konsequente Anwendung aller geeigneten Rehabilitationsmaßnahmen kommen."

Daß auch die langfristige medikamentöse Versorgung von Fraktur-Patienten, etwa mit einem Bisphosphonat wie Alendronat (Fosamax®), zur Prophylaxe weiterer Brüche noch unzureichend ist, bestätigen Analysen des Frakturregisters, die Professor Ludger Pientka aus Bochum vorgestellt hat.

Das Register enthält Daten von über 16 000 Patienten aus über 400 Akut- und Rehakliniken. Während der Reha-Maßnahmen erhielten noch über 30 Prozent der Patienten mit hüftgelenksnahen Femur-Frakturen und Radiusfrakturen Kalzium und Vitamin D sowie knapp 20 Prozent ein Bisphosphonat. Sieben Monate später sei dies nur bei elf bis zwölf Prozent der Fall gewesen.

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