Ärzte Zeitung, 13.04.2004

Risiko für Osteoporose läßt sich mit einfachem Test bestimmen

Lebensalter und Gewicht werden beurteilt / Auch Frakturrisiko ist rasch zu ermitteln

ROM (mop). Patienten mit osteoporotischen Frakturen haben unbehandelt ein hohes Risiko für weitere Frakturen. Zwei Drittel der Patienten mit Wirbelfrakturen wissen aber überhaupt nicht, daß bei ihnen eine solche Fraktur vorliegt. Patienten, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine solche osteoporotische Fraktur besteht, können nun mit einem einfachen Test erkannt werden. Und mit einem weiteren Test läßt sich das Osteoporoserisiko eines Patienten ermitteln.

Osteoporoserisiko ist bei älteren Leichtgewichten hoch
Alter und Gewicht helfen bei Osteoporose-Diagnostik
Lebensalter und Körpergewicht geben wichtige Hinweise auf das Osteoporose-Risiko. Je höher das Alter, desto höher ist das Risiko für Knochenschwund. Und: Je niedriger das Gewicht, desto höher ist das Osteoporose-Risiko.

Die beiden Tests hat Dr. Philip Ross von den Merck Research Laboratories in Rahway in den USA bei einem Symposium des Unternehmens MSD in Rom vorgestellt.

Bei dem ersten Test, dem Prevalent Vertebral Fracture Index (PVFI), werden für vier einfache Parameter Punkte vergeben: positive Anamnese für nicht-vertebrale Frakturen (1 Punkt), Verlust an Körpergröße seit dem 25. Lebensjahr (1 Punkt bei 2 bis 4 cm, 2 Punkte bei mehr als 4 cm), Alter (1 Punkt bei 60 bis 69 Jahren, 2 Punkte bei 70 bis 79 Jahren, 3 Punkte ab 80 Jahren) und positive Familienanamnese für eine Osteoporose (1 Punkt).

Bei Patienten mit vier Punkten und darüber ist mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß eine Osteoporose-bedingte vertebrale Fraktur vorliegt. Bei ihnen sollte eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule zur weiteren Klärung gemacht werden. In der Testpopulation hatten 54 Prozent der Patientinnen mit einem solchen Risikoprofil eine Wirbelfraktur.

Mit dem OST (Osteoporosis Self-assessment Tool) genannten Test läßt sich das Osteoporoserisiko abschätzen. Hierzu werden Alter und Gewicht einer Frau auf einem einfachen Diagramm eingetragen, das sie je nach Angaben als gering, mäßig oder stark osteoporosegefährdet ausweist. Je höher das Alter, desto höher das Osteoporoserisiko. Und: Je niedriger das Gewicht, desto höher das Risiko für Knochenschwund. Alter und Gewicht haben sich bei der Risikoevaluation als fast so genau erwiesen wie ein Modell mit elf Risikofaktoren.

Demnach hat etwa eine 66jährige Frau, die 63 kg wiegt, ein mittleres Osteoporoserisiko. 18 Prozent der Frauen, die ein solches Risiko aufwiesen, hatten nach dem Ergebnis der Knochendichtemessung tatsächlich eine Osteoporose. Das hat die Überprüfung des Tests bei über 30 000 Frauen ergeben.

In der Gruppe derjenigen mit hohem Risiko - etwa 79jährige Frauen, die nicht einmal 60 kg wiegen - hatten sogar 58 Prozent Knochenschwund, in der Gruppe mit niedrigem Risiko - etwa Frauen, die 69 Jahre alt sind und mehr als 75 kg wiegen - lediglich vier Prozent. Bei Frauen mit mittlerem oder hohem Risiko wird eine Knochendichtemessung empfohlen.

Der US-amerikanische Wissenschaftler und seine Arbeitsgruppe gehen davon aus, daß in einer Praxispopulation mit 500 Frauen in der Postmenopause etwa 30 einen OST-Score mit mittlerem bis hohem Risiko haben. Erfolge bei diese Frauen eine Knochendichtemessung, fände man etwa 18 Patientinnen mit Osteoporose. Ohne Vorauswahl durch den OST-Test müßte man 129 Frauen einer Knochendichtemessung unterziehen, um 18 Frauen mit Osteoporose zu diagnostizieren.

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