Ärzte Zeitung, 13.05.2004

Nach dem Risikofaktor Osteoporose wird bei Frakturen kaum gefragt

Daten von mehr als 16 000 alten Patienten aus bundesweitem Frakturregister

BERLIN (gvg). Ältere Patienten mit Frakturen werden in Deutschland zu selten nach Risikofaktoren für Osteoporose, besonders auch nach bereits vorangegangenen Frakturen, gefragt. Auch die Sekundärprävention wird vernachlässigt.

Diese Schlüsse hat Privatdozent Felix Bonnaire vom Klinikum Dresden-Friedrichstadt aus den Einjahresdaten eines bundesweiten Registers für hüftnahe Frakturen und distale Radiusfrakturen gezogen, die er auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin vorgestellt hat. Bei älteren Patienten liege solchen Brüchen meist ein Sturz bei einer vorbestehenden Osteoporose zugrunde, sagte Bonnaire auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD.

Im Jahr 2003 seien in das Frakturregister die Daten von insgesamt 16 522 Patienten aus 440 Akut- und Rehabilitationskliniken aufgenommen worden. Etwa vier von fünf der durchschnittlich 76jährigen Patienten hatten eine hüftgelenksnahe Fraktur, und etwa jeder fünfte eine Fraktur am distalen Radius.

Interessante Daten liefere das Register vor allem über Risikofaktoren und über die Risikoerfassung durch die behandelnden Chirurgen. So habe jeder vierte registrierte Patient bereits früher einmal eine Fraktur gehabt, und jedem fünften sei eine Verringerung der Körpergröße aufgefallen.

"Trotz dieser eindeutigen Korrelationen fragen über 80 Prozent der Untersucher diese Informationen in der Anamnese nicht ab", so Bonnaire. Entsprechend wenig Wert werde auch auf die diagnostische Klärung der Frakturursache gelegt: Nur bei jedem 100. Senior mit Hüftfraktur oder Radiusfraktur wurde bereits die Knochenmineraldichte bestimmt.

Auch bei der Einleitung einer Sekundärprävention gebe es zumindest in den Akutkliniken noch erheblichen Nachholbedarf, wie der Unfallchirurg Bonnaire selbstkritisch einräumte: Nur etwa jeder zehnte Patient mit möglicherweise osteoporotischer Fraktur verlasse die Akutklinik mit einer medikamentösen Osteoporose-Therapie. In den Rehabilitationskliniken allerdings wird dann einiges aufgeholt: Hier werden den Daten des Registers zufolge bereits über 40 Prozent der Patienten mit einer Osteoporose-Medikation entlassen.

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