Ärzte Zeitung, 10.09.2004

Osteoporosegefahr wird unterschätzt

Plädoyer für medikamentöse Therapie, wenn bereits erste Wirbelbrüche aufgetreten sind

BÜHL (hsr). Sind bei Osteoporose-Patienten bereits erste Knochenbrüche aufgetreten, sollte sofort eine effektive Therapie eingeleitet werden, um weitere Frakturen zu vermeiden. Das fordert Professor Reiner Bartl aus München. Durch Wirbelkörperbrüche etwa erhöht sich das Hüftfraktur-Risiko um das Vier- bis Fünffache.

Wie alarmierend die Situation der an Osteoporose Erkrankten seiner Ansicht nach in Deutschland ist, verdeutlichte der Leiter des Bayerischen Osteoporose-Zentrums der Ludwig-Maximilians-Universität mit diesen Zahlen: Von den etwa sechs Millionen Osteoporose-Kranken haben zwei bis drei Millionen bereits Wirbelkörperfrakturen. Dennoch werden nur 500 000 der Erkrankten behandelt, und gar nur bei 130 000 wird nach den Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO) therapiert. Bartl: "Im europäischen Vergleich liegen wir da ganz weit hinten."

Obwohl jede dritte Frau in der Postmenopause und jeder fünfte über 50jährige Mann Knochenschwund entwickle und die jährliche Neuerkrankungsrate an Osteoporose-bedingten vertebralen Frakturen für 50- bis 80jährige Frauen nach Ergebnissen von EPOS (European Prospective Osteoporosis Study) immerhin 1,2 Prozent betrage, werde die Erkrankung unterschätzt. Derzeit hapere es sowohl mit der Prävention erster Frakturen als auch mit der Prophylaxe von Folgefrakturen, bemängelte der Osteologe auf einer Veranstaltung von Aventis und Procter & Gamble in Brühl. Die Unternehmen bieten das Bisphosphonat Risedronat (Actonel®) an. Dabei gebe es strukturierte Leitlinien der DVO zur Diagnose und Therapie bei Osteoporose.

So ist es nach Angaben von Bartl zwar wichtig, Patienten mit Osteoporose zu körperlicher Aktivität und kalziumreicher Ernährung zu motivieren. Es müsse aber auch daran gedacht werden, daß es effektive Medikamente zur Fraktur-Prophylaxe gibt. Als Medikamente der ersten Wahl für Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose empfiehlt die DVO-Leitlinie die Bisphosphonate Risedronat und Alendronat sowie den selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulator Raloxifen, kombiniert mit einer ausreichenden Zufuhr an Kalzium und Vitamin D.

Die DVO-Leitlinien Osteoporose stehen unter www.lutherhaus.de/osteo/leitlinien-dvo/index.php

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