Forschung und Praxis, 14.02.2005

Bei Osteoporose sind Bisphosphonate und Raloxifen erste Wahl

Hauptkriterium, um die Effizienz einer Osteoporose-Therapie zu beurteilen, ist die Reduktion von Frakturen (erste und weitere Frakturen). Dabei kommt es nach Ansicht von Experten nicht allein darauf an, die Knochendichte zu erhöhen, sondern auch die Knochenqualität (Mikroarchitektur) zu verbessern. Die aus klinischen Studien gewonnenen Frakturdaten sind ein wesentliches Kriterium für die Beurteilung von Osteoporose-Präparaten in den Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO).

Bei Frauen mit Osteoporose stehen nach den derzeit noch gültigen DVO-Leitlinien (eine überarbeitete Fassung soll im Frühsommer vorgelegt werden) zur Prävention von Frakturen Bisphosphonate und Raloxifen an erster Stelle - immer zusätzlich zu einer Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D. Empfohlen werden täglich 500 bis 1000 mg Kalzium und 400 bis 800 I.E. Vitamin D3 pro Tag, zum Beispiel in Form von Kombinationspräparaten wie Calcimagon-D3®, Calcium-Sandoz® D Osteo, Ossofortin® forte oder Osteoplus®.

Mit den Bisphosphonaten Alendronat (Fosamax®) und Risedronat (Actonel®) sowie mit Raloxifen (Evista®, Optruma®) hat sich in Studien die Rate an Wirbelfrakturen im Vergleich zu Placebo etwa halbieren lassen. Auch die Häufigkeit von nicht-vertebralen Frakturen konnte mit den Bisphosphonaten deutlich gesenkt werden.

Für das Therapieergebnis ist es offenbar irrelevant, ob die beiden Bisphosphonate täglich oder in höherer Dosierung einmal wöchentlich eingenommen werden. Für die wöchentliche Einnahme bei Älteren spricht, daß die in diesem Alter meist hohe tägliche Tablettenzahl nicht noch erhöht wird. Allerdings wird die regelmäßige Einnahme einmal pro Woche von den Patienten häufig vergessen.

Für Patienten, die die Bisphosphonate oder Raloxifen nicht vertragen, werden als Therapeutika der zweiten Wahl genannt: Etidronat (etwa Didronel®), Calcitonin-Spray (etwa Karil® Nasenspray), Alfacalcidol (etwa Doss®), Natrium-Monofluorophosphat (etwa Mono-Tridin®), Natriumfluorid in Retardform (Ossin®, Ossiplex® retard). Ossofortin® plus ist das einzige Fluor-Kombi-Präparat, das Retardtabletten mit Natriumfluorid und Kalzium-Vitamin-D3-Brausetabletten in einer Packung enthält.

Bei Männern mit Osteoporose ist die Datenlage noch dünn

Für Männer mit manifester Osteoporose ist zur Zeit nur Alendronat (10 mg / Tag) zusätzlich zur Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D zugelassen. Studien haben gezeigt, daß die tägliche, aber auch die einmal wöchentliche Einnahme (70 mg) wirksam sind.

Erste Hinweise zur Wirksamkeit von Risedronat bei Männern ergeben sich aus einer Pilotstudie von Professor Johann D. Ringe aus Leverkusen. Bei Männern mit Wirbelfrakturen wurde die Häufigkeit von weiteren Wirbelfrakturen mit 5 mg Risedronat täglich zusätzlich zur Kalzium-Vitamin-D3-Basistherapie nach einem Jahr im Vergleich zu den Kontrollgruppen (nur Basistherapie oder Basistherapie plus Alfacalcidol) um 58 Prozent vermindert.

Bei Männern mit Kortikoid-induzierter Osteoporose ist eine Zunahme der Knochendichte auch für Etidronat nachgewiesen. (mar)

Lesen Sie dazu auch:
Ältere Menschen mit Osteoporose brauchen Fraktur-Prophylaxe

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »