Ärzte Zeitung, 27.07.2005

Kalzium und Vitamin D reichen bei Osteoporose nicht zur Therapie

Zusätzlich zur Basistherapie sind spezifische Osteoporose-Medikamente nötig

BÜHLERHÖHE (KHS). Es genügt nicht, Patienten mit einer manifesten Osteoporose allein mit Kalzium und Vitamin D zu behandeln. Spezifische Medikamente wie Bisphosphonate sind zusätzlich nötig. Darauf hat Professor Johann D. Ringe aus Leverkusen hingewiesen.

Frauen ab 50 Jahre haben meist eine Lücke zwischen der Kalzium-Aufnahme über die Nahrung und dem Bedarf. Kalzium-Tabletten sind daher ratsam. Foto: Photodisc

Auch Patienten der Placebo-Gruppen in den Bisphosphonat-Studien hätten Kalzium und Vitamin D bekommen, und es seien weiter viele Brüche aufgetreten, so der Arzt vom Klinikum Leverkusen. Allenfalls präventiv könnten Kalzium und Vitamin D bei älteren Menschen mit Kalzium- und Vitamin-D-Mangel etwas nützen, wenn keine manifeste Osteoporose vorliegt.

Dennoch ist für Ringe Kalzium plus Vitamin D eine unverzichtbare Basistherapie bei manifester Osteoporose. Der Grund: Erst Mineralien verleihen den Knochen ihre Kompressions- und Biegefestigkeit.

Wichtig ist auch Vitamin D: Es fördert die Resorption von Kalzium aus dem Darm. In den großen Bisphosphonat-Studien hätten die Frauen der Verum-Gruppen Kalzium in einer Dosierung von 500 bis 1000 mg pro Tag und Vitamin D bei Bedarf in einer Dosierung von 400 bis 800 IE eingenommen.

Auch in den Zulassungsstudien für das Bisphosphonat Risedronsäure (Actonel®) haben alle Studienteilnehmerinnen zusätzlich Kalzium und bei Bedarf auch Vitamin D erhalten. Das entspreche den Osteoporose-Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO), sagte Ringe bei einer Veranstaltung, zu der die Unternehmen Sanofi-Aventis und Procter & Gamble Pharmaceuticals aus Anlaß des MEDcongresses in Baden-Baden eingeladen haben.

Wie in Kliniken üblich, so empfiehlt Ringe auch im niedergelassenen Bereich, vor Verordnung der Präparate nach Koliken und Nierensteinen zu fragen und zumindest das Urin-Kalzium zu messen.

Bei Frauen ab etwa dem 50. Lebensjahr ergebe sich eine Lücke zwischen der täglichen Kalzium-Aufnahme mit der Nahrung von 800 bis 900 mg pro Tag und der täglichen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Kalzium-Zufuhr von 1300 bis 1500 mg pro Tag. Diese Lücke sollte mit Kalziumtabletten geschlossen werden.

Das Kalzium-Defizit lasse sich auch durch die vermehrte Aufnahme kalziumreicher Nahrung beseitigen. Dies verlange jedoch von den Patienten eine Änderung ihres Lebensstiles, was meist schwer zu erreichen sei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »