Ärzte Zeitung, 16.03.2006

Strontiumranelat bei Osteoporose jetzt in Leitlinie empfohlen

Neue Leitlinie zu Osteoporose in der Postmenopause / Strontiumtherapie kann Frakturen der Wirbelkörper und der Extremitäten verhüten

KÖLN (miz). Strontiumranelat wird jetzt in einer aktualisierten Leitlinie als First-Line-Therapie für Frauen mit Osteoporose in der Postmenopause empfohlen. Damit ist das Medikament in die Gruppe derjenigen Substanzen aufgenommen worden, deren frakturverhütende Wirkung an Wirbelkörper und Extremitäten am besten belegt ist.

Der Dachverband Osteologie (DVO) hat die aktualisierte Version seiner Leitlinie zur "Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause und bei Männern ab dem 60. Lebensjahr" auf dem Osteologie-Kongreß in Köln vorgestellt (wir berichteten). Eine wesentliche Veränderung ist die Aufnahme von Strontiumranelat in die Gruppe der Medikamente mit einer Empfehlung Grad A, also des höchsten Evidenzgrades.

Als einzige Substanz könne Strontium sowohl den Knochenabbau bremsen, als auch den Knochenaufbau fördern, sagte Professor Franz Josef Jakob aus Würzburg bei einem von Servier ausgerichteten Satellitensymposium. Strontiumranelat (Protelos®) steigert besonders die Proliferation der Prä-Osteoblasten, und es reduziert die Aktivität der Osteoklasten, indem es ihre Differenzierung hemmt.

Die Substanz verändert nicht die Mineralisation des Knochens, sondern verbessert seine Festigkeit durch Veränderungen in der Mikroarchitektur: Dicke, Anzahl und Volumen der Trabekel nehmen zu, und die Kortikalis wird verdickt. Diese Befunde stammen bisher zwar aus Tierversuchen, aber entsprechende klinische Daten aus Biopsiematerial werden noch in diesem Jahr erwartet, wie Professor Andreas A. Kurth aus Frankfurt am Main auf dem Symposium berichtet hat.

Daß Strontiumranelat sowohl Wirbelkörperfrakturen als auch Frakturen der Extremitäten effektiv verhütet, wurde in den beiden Studien SOTI (Spinal Osteoporosis Therapeutic Intervention) und TROPOS (Treatment of Peripheral Osteoporosis) nachgewiesen (wir berichteten).

In der SOTI-Studie war bei Frauen in der Postmenopause, die Strontium erhielten, die Rate weiterer Wirbelfrakturen nach einem Jahr um 49 Prozent und nach drei Jahren um 41 Prozent geringer als mit Placebo.

In der TROPOS-Studie, deren Teilnehmerinnen im Durchschnitt 77 Jahre alt waren, wurde ebenfalls einer verringerte Rate der Wirbelkörperfrakturen festgestellt. Bei den Frauen über 80 Jahre war zusätzlich die Rate der extravertebralen Frakturen nach dem dreijährigen Untersuchungszeitraum signifikant um 31 Prozent reduziert. Derzeit werden die Fünfjahresdaten von TROPOS und SOTI erfaßt und ausgewertet. Erste Publikationen dazu werden für den Herbst erwartet.

Die neue DVO-Leitlinie zu Osteoporose kann demnächst im Internet eingesehen werden, und zwar unter der Adresse www.lutherhaus.de/dvo-leitlinien

Topics
Schlagworte
Osteoporose (792)
Organisationen
Servier (194)
Krankheiten
Menopause (511)
Osteoporose (1441)
Personen
Andreas Kurth (34)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »