Ärzte Zeitung, 18.04.2006

Estrogenrezeptor-Modulator sorgt für Knochenstärkung

Mit Raloxifen wird Frakturrate bei Osteoporose ähnlich gesenkt wie mit einem Bisphosphonat / Reduktion bruchgefährdeter Resorptionslakunen

KÖLN (djb). Der selektive Estrogenrezeptor-Modulator (SERM) Raloxifen schützt Frauen mit Osteoporose in der Postmenopause ähnlich gut wie ein Bisphosphonat vor vertebralen und nichtvertebralen Frakturen. Das belegt eine Vergleichsstudie.

An der doppelblinden Zufallsauswahlstudie EVA (Evista Alendronate Trail) nahmen 1412 Frauen in der Postmenopause mit Osteoporose teil. Sie hatten eine Knochenmineraldichte mit einem T-Score (Standardabweichung von der Knochendichte eines jungen gesunden Erwachsenen) von -2,5 bis -4,0 SD. Die Studienteilnehmerinnen hatten noch keine osteoporotischen Frakturen, wie Privatdozent Dr. Walter Fassbender vom Hospital zum Heiligen Geist in Kempen bei einer Veranstaltung von Lilly in Köln gesagt hat.

699 Frauen wurden täglich mit 60 mg Raloxifen (Evista®) und 713 Frauen täglich mit 10 mg Alendronat behandelt. Primärer Endpunkt war die Frakturrate. Innerhalb eines Jahres waren mit dem SERM fünf und mit dem Bisphosphonat acht Wirbelkörperfrakturen vorgekommen. Acht Frauen der Alendronat-Gruppe und fünf der mit Raloxifen behandelten Patientinnen hätten eine extravertebrale Fraktur erlitten, so Fassbender.

Beide Antiresorptiva sind trotz unterschiedlicher Wirkmechanismen hinsichtlich der Frakturreduktion offenbar ähnlich effektiv. Raloxifen reaktiviert die Estrogenrezeptoren der Knochenzellen und sorgt über mehrere Signalketten für einen ausgeglichenen und an die Belastungssituation des Skeletts angepaßten Knochenstoffwechsel.

Ein Teil der fraktursenkenden Wirkung des SERM könne, so Fassbender, damit erklärt werden, daß die in der Postmenopause erhöhte Knochenumbaurate gesenkt wird, und zwar auf ein physiologisches Niveau wie vor der Menopause. Und die bruchgefährdeten Strukturen des Knochens, die Resorptionslakunen, werden reduziert.

Der mittlere Mineralisierungsgrad des kortikalen und trabekulären Knochengewebes nehme mit der Raloxifen-Therapie leicht, aber signifikant um sieben Prozent zu, berichtete Faßbender.

Die Resorptionslakunen würden aufgefüllt, und die Mikroarchitektur des Knochens bleibe erhalten.

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