Ärzte Zeitung, 15.01.2007

Bei Behandlung mit Steroiden über drei Monate ist Knochenschutz nötig

Frakturrisiko steigt mit der Steroiddosis / Kalzium und Vitamin D als Prophylaxe

HANNOVER (grue). Patienten, die länger als drei Monate mit Glukokortikoiden behandelt werden, brauchen einen Osteoporoseschutz. Dabei gilt: Das Frakturrisiko steigt mit der Steroiddosis, einen Schwellenwert gibt es jedoch nicht.

Bei einer Steroidtherapie, die für länger als drei Monate geplant ist, sollte den Patienten unabhängig von der Steroiddosierung eine Osteoporose-Prophylaxe angeboten werden. Das gilt auch dann, wenn die Patienten noch keine Fraktur hatten. "Es gibt keine Schwellendosis für Steroide, bis zu der eine langfristige Therapie ohne Gefährdung der Knochenstabilität möglich ist", sagte Dr. Christoph Terkamp von der Medizinischen Hochschule Hannover auf einer von der Falk Foundation unterstützten Veranstaltung.

Gewebeschnitt eines gesunden Knochens: die Trabekelstruktur ermöglicht eine hohe Stabilität. Fotos (2): dpa

Osteoporotisch veränderter Röhrenknochen: die Trabekelstruktur ist deutlich ausgedünnt.

Osteoporose-Risiko ist schon bei niedriger Steroiddosis erhöht

Zwar gehe umso mehr Knochenmasse verloren, je höher das Steroid dosiert wird und je länger die Behandlung dauert, aber bereits bei einer Therapie mit 2,5 mg Prednisolonäquivalent pro Kilogramm Körpergewicht steige das Osteoporose-Risiko beträchtlich, so Terkamp.

Die steroidinduzierte Osteoporose ist unter anderem bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) häufig. "Drei von vier CED-Patienten werden im Verlauf ihrer Erkrankung mit Steroiden behandelt, und 15 Prozent von ihnen haben eine Osteoporose", sagte Terkamp. Doch auch ohne Steroide sei das Fraktur-Risiko von CED-Patienten um 40 Prozent höher als in der gesunden Bevölkerung. Denn bei CED besteht häufig gleichzeitig eine Malabsorption, die zu Vitamin D- und Kalziummangel führt. Dieses Phänomen wird durch die Steigerung der renalen Kalziumexkretion unter Steroidtherapie noch verstärkt.

Leitlinie zu Steroid-Osteoporose wird überarbeitet

In den Leitlinien zur glukokortikoidinduzierten Osteoporose des Dachverbandes Osteologie (DVO), die derzeit überarbeitet werden, wird im Erstentwurf folgendes Vorgehen bei einer Steroidtherapie über drei Monate genannt: Außer einer allgemeinen Osteoporose- und Sturzprophylaxe brauchen die Patienten täglich 1000 bis 1500 mg Kalzium aus Nahrungsmitteln oder Supplementen und 400 bis 1200 IU Vitamin D, die bei Malassimilation intramuskulär verabreicht werden sollten. Außerdem sollten - wenn möglich - topische statt systemische Steroide verordnet werden, um die Steroidbelastung zu reduzieren. Das unternehmen Falk bietet dafür Budesonid (Budenofalk®) an.

Die Knochenmineraldichte wird mit der DXA (Dual Energy X-ray Absorptiometry)-Methode gemessen. Bei einem T-Wert (Standardabweichung von der durchschnittlichen Knochendichte eines jungen gesunden Erwachsenen) unter -1,5 ist eine medikamentöse Frakturprophylaxe mit Bisphosphonaten vorgesehen, sagte Terkamp. Gleiches gilt für Patienten mit Frakturen. Für Frauen in der Postmenopause eignen sich Alendronat, Risedronat und Etidronat in Tablettenform. Für Männer stehen derzeit Alendronat und Risedronat zur Verfügung, allerdings nicht speziell für die steroidbedingte Osteoporose.

"Wir bewegen uns hier im Off-Label-Bereich", so Terkamp. Etwas Verordnungssicherheit biete die von der American Gastroenterological Association publizierte Leitlinie "Osteoporosis in gastrointestinal disease" (Gastroenterology 124, 2003, 791). Darin werden auch für Männer über 50 Jahre Bisphosphonate begleitend zur Steroidtherapie empfohlen.

Die Entwürfe der neuen DGO-Leitlinie zur glukokortikoidinduzierten Osteoporose finden Sie im Internet unter: www.lutherhaus.de/osteo/leitlinien-dvo

STICHWORT

Messung der Knochendichte

Die Messung der Knochenmineraldichte, auch Osteodensitometrie genannt, ist eine wichtige Methode, um das Frakturrisiko bei Osteoporose zu ermitteln. Standard für diese Art der Diagnostik ist nach wie vor die DXA (Dual Energy X-ray Absorptiometry)-Messung. Sie erlaubt bei nur geringer Strahlenbelastung eine genaue Messung des Kalzium-Hydroxylapatitgehalts im Knochen und lässt daher auf die Knochenmasse schließen. Beurteilt wird sie in der Regel nach dem T-Wert, das heißt nach der Standardabweichung von der durchschnittlichen Knochendichte eines jungen, gesunden Erwachsenen. (eb)

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