Ärzte Zeitung, 03.09.2007

Frakturrisiko lässt sich jetzt genauer ermitteln

Außer Knochenmineraldichte sind auch Alter und Geschlecht der Patienten maßgebend

MARBURG (eim/ikr). Die Osteoporose-Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO) für Frauen ab der Menopause und für Männer ab 60 Jahren hilft, das Frakturrisiko genauer zu ermitteln. Dafür sollen nun außer der Knochenmineraldichte etwa auch das Lebensalter und das Geschlecht der Patienten berücksichtigt werden.

Die Knochendichtemessung ist ein wesentlicher Bestandteil der Osteoporose-Diagnostik. Foto: Achim Köpf

Lange Zeit wurde das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche ausschließlich nach dem T-Score, das heißt nach der Standardabweichung von der durchschnittlichen Knochendichte eines jungen gesunden Erwachsenen, ermittelt.

Auf diese Weise sei das Frakturrisiko jedoch bei jüngeren Menschen deutlich überschätzt und bei älteren unterschätzt worden, sagte Privatdozent Peyman Hadji von der Universitätsklinik Marburg. Auch das Alter und das Geschlecht sowie weitere Faktoren wie Nikotinkonsum, Stürze und Immobilität seien nach neuen Erkenntnissen maßgebend für das Frakturrisiko, so der Experte auf einer von Daiichi Sankyo unterstützten Veranstaltung in Marburg.

Eine Behandlung mit Osteoporose-spezifischen Medikamenten wie Raloxifen (Evista®) wird nach der DVO-Leitlinie empfohlen, wenn das Risiko, in den nächsten zehn Jahren einen osteoporosebedingten Knochenbruch zu erleiden, 30 Prozent überschreitet. Bei welchen Patienten dies der Fall ist, lässt sich anhand einer Tabelle in der Leitlinie ermitteln. Dazu zählen etwa Frauen über 70 Jahre, die noch keine Wirbelkörperfraktur hatten, aber bei der Knochendichtemessung einen T-Score unterhalb von minus 2,5 haben.

Goldstandard bei der Osteodensitometrie ist nach wie vor die DXA (Dual-X-Ray-Absorptiometry)-Methode. Die Strahlenbelastung sei hiermit sehr gering, betonte Hadji. Die genaue Messung des Kalzium-Hydroxylapatit-Gehalts im Knochen lässt auf die Knochenmasse schließen. Bei der DXA-Messung wird empfohlen, die gesamte Lendenwirbelsäule und den gesamten Femur zu messen.

Ausschlaggebend für die Beurteilung der Knochenmasse ist der niedrigste Messwert der Gesamtareale. Eine Alternative sei der Ultraschall, so Hadji. Doch derzeit sei noch unklar, welche Ultraschallgeräte für die Knochendichtemessung am besten geeignet sind. Hierzu seien noch weitere Studien nötig. DXA und Ultraschall sind bei Patienten ohne Frakturen IGeL-Angebote.

Weitere Infos zu Osteoporose gibt es in der DVO-Leitlinie unter www.lutherhaus.de/osteo/leitlinien-dvo/

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