Ärzte Zeitung, 20.10.2008

Basismassnahmen zur Osteoporose- und Frakturprophylaxe

Täglich etwas Sonnenlicht und gesunde Mischkost - so bleiben die Knochen stark

Heute ist Welt-Osteoporose-Tag. Ein wichtiges Anliegen ist dieses Jahr die gute Kooperation zwischen Arzt und Patient. Dazu gehört die individuelle Beratung zu knochengesunder Kost.

Von Ingrid Kreutz

Käse, Milch und grünes Gemüse sind wichtige Kalziumlieferanten.

Fotos: fotolia, Montage: ÄZ

Nicht nur der Verzicht auf Alkohol-abusus und Nikotin sowie das Vermeiden von Untergewicht (BMI unter 20) tragen wesentlich zum Schutz der Knochen bei, sondern auch eine knochenfreundliche Kost. Das heißt: eine ausreichende Zufuhr von Kalzium im richtigen Verhältnis zu anderen Nährstoffen.

Am besten erreichen lässt sich das durch eine gesunde Vollwertkost. "Um eine metabolische Azidose zu vermeiden, sollten Patienten ihren Kalziumbedarf nicht dadurch decken, dass sie täglich ein halbes Pfund Käse essen oder einen ganzen Liter Milch trinken, sondern auch noch andere Kalziumlieferanten einbeziehen wie grünes Gemüse oder kalziumreiche Mineralwässer (mehr als 150 mg/l)", empfiehlt Dr. Jutta Semler, erste Vorsitzende vom Kuratorium Knochengesundheit.

Schaffen es Frauen in der Postmenopause oder Männer über 60 Jahre nicht - wie in der DVO-Leitlinie empfohlen - täglich 1200 bis 1500 mg Kalzium mit der Nahrung aufzunehmen, können Supplemente helfen. Patienten, die Osteoporose-spezifische Medikamente wie Bisphosphonate erhalten, sollten Kalzium als Basistherapie bekommen. Dasselbe gilt für Vitamin D. Zur Supplementation von Vitamin D rät Semler auch generell bei Menschen ab 55 bis 60 Jahren in den Wintermonaten. Bei älteren Menschen nehme die Haut das zur körpereigenen Produktion von Vitamin D benötigte UV-Licht nicht mehr so stark auf.

Und das bedeute, dass sie in den Wintermonaten in unseren Breitengraden rasch in einen Vitamin-D-Mangel hineinrutschen. "Zumindest ab Januar bis März ist etwa für Frauen in der Postmenopause die Einnamhe von 1000 IE Vitamin D sinnvoll", sagte die Osteoporose-Expertin zur "Ärzte Zeitung". Die in der DVO-Leitlinie empfohlene tägliche Zufuhr von 400 bis 1200 IE Vitamin-D lässt sich nach Angaben von Semler bei unzureichender Sonnenlichtzufuhr kaum über die Nahrung, zum Beispiel fetten Seefisch, decken.

"Bevor man Patienten zur Supplementation von Vitamin D rät, sollte einmal der Kalzium-Spiegel bestimmt werden", so Semler. So könne man feststellen, ob bei dem betreffenden Patienten eine Erkrankung vorliegt, die mit hohen Kalzium-Werten einhergeht, etwa ein Hyperpara-thyreoidismus oder ein Tumor. Bei solchen Patienten kann sich die Supplementation von Vitamin D, besonders größerer Mengen, sehr ungünstig auswirken, da Vitamin D ja die Resorption von Kalzium aus dem Darm fördert und die Problematik somit weiter verstärkt.

Ist der Kalzium-Spiegel nach dem Referenzwert des jeweiligen Labors zu niedrig, sollte auch das Vitamin D bestimmt werden. Der Serum-25-OH-Vitamin-D-Wert sollte auf jeden Fall nicht unter 30 nmol / l liegen, so Semler. Bei normalem Kalzium-Spiegel sei nicht von einem großen Vitamin-D-Defizit auszugehen. Die routinemäßige Bestimmung des Vitamin D bei älteren Patienten hält die Berliner Kollegin nicht für erforderlich.


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